Kommentar zur Google-Sperre in China: Chinas Angst

Das Internet ist generell langsam in China. Doch in diesen Tagen heißt es stereotyp: „Die Seite kann nicht angezeigt werden“. Die Zensoren blockieren vor allem die Google-Dienste, weil die Partei offenbar von panischer Angst getrieben ist, die Suchmaschine könnte das Wort Tiananmen ausspucken und, noch schlimmer, das Massaker vom Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 in all seiner Grausamkeit darstellen. Selbst der Umweg über Tunneldienste, mit denen man die „chinesische Brandmauer“ umgehen kann, ist in derzeit unzuverlässig. Der Rechner stürzt ab.

Die Deutungshoheit über die Ereignisse vor 25 Jahren gibt die KP nicht aus den Händen. Sie definiert, was akzeptabel ist. Nach dem Jahr 1989 suchen? Nicht akzeptabel. Der Toten gedenken? Nicht akzeptabel. Als Journalist Zeugen treffen? Ebenfalls nicht akzeptabel. Die Logik der Partei ist so perfide wie ihr Handeln: Worüber nicht geredet wird, hat es auch nicht gegeben. Deshalb sehen sich die Funktionäre im Recht, wenn sie Autoren unter Hausarrest stellen, wenn sie Aktivisten wegsperren und den Hinterbliebenen der Opfer den Mund verbieten. Wo ist das Selbstbewusstsein, das erstarkte China, von dem die Regierung spricht? Mit der Sperrung der Google-Dienste demonstriert die Partei ihre Schwäche, wieder einmal. Denn die vermeintliche Minderheit, der die Führung jede Kraft abspricht, bedroht die Partei in ihren Grundfesten – der Allmacht.