Die Wahl ist vorbei. Der Wähler hat erfreulicherweise mit wachsender Beteiligung gesprochen. Das ist Demokratie. Unabhängig davon, wer am Ende die nächste Bundesregierung bildet, wirft das Wahlergebnis allerdings schon jetzt demokratietheoretische und -praktische Fragen auf. Eine davon ergibt sich aus der Geschäftsordnung des Bundestags. Denn die sieht ein Quorum von 25 Prozent vor für den Fall, dass Abgeordnete eine Sondersitzung beantragen oder einen Untersuchungsausschuss einsetzen wollen. Mit anderen Worten: Wenn Union und SPD koalieren, sind Linke und Grüne machtlos – jedenfalls wenn die Geschäftsordnung bleibt, wie sie ist.

Die naheliegende Konsequenz liegt auf der Hand: Sollte es zu einer großen Koalition kommen, müsste die Geschäftsordnung schleunigst geändert werden. Denn eine machtlose Opposition ist keine Opposition. Sie muss sich mit der Regierung halbwegs auf Augen-, sie darf sich nicht auf Kniekehlenhöhe bewegen. Man könnte aber auch eine ganz andere Konsequenz ziehen – nämlich die, von einer großen Koalition aus Respekt vor den Wählern ganz grundsätzlich abzuraten.

Denn auch wenn man die Geschäftsordnung ändert, repräsentieren Linke und Grüne trotzdem nur 17 Prozent der Wählerstimmen – gegenüber 67,2 Prozent auf der anderen Seite. Das ist nicht Augenhöhe, sondern Hüfthöhe, bestenfalls. Und einer parlamentarischen Demokratie unwürdig.