Das öffentliche Ringen um die Zukunft des Suhrkamp-Verlages gestaltet sich seit geraumer Zeit spannend wie ein Wirtschaftskrimi, und was darüber gesagt und geschrieben wird, kann zugleich zu einem Grundkurs über das neue Insolvenzrecht herangezogen werden.

Die Nachricht, dass das Amtsgericht Charlottenburg das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gegen den Suhrkamp-Verlag eröffnet hat, kann ferner als Fortsetzung eines aus vielen Schach- und Winkelzügen bestehenden Dramas um einen der wichtigsten europäischen Literaturverlage gelesen werden. War das Wort Insolvenz früher als feinere Ausdrucksform für Pleite gebräuchlich, so eröffnen sich heute vielfältige Aus- und Umwege. Weitermachen mit des Anwalts Hilfe.

Für den Suhrkamp-Verlag stellt die neuerliche Rochade im Kampf um die Verlagsstruktur lediglich einen Formwechsel dar. Man hofft, so den lästigen Gesellschafter Hans Barlach, mit dem sich die Siegfried und Ulla Unseld-Familienstiftung in zahlreichen Gerichtsprozessen verhakt hat, endlich loszuwerden.

Darüber hinaus soll alles einfacher werden. Aus einer Kommandit- wird eine Aktiengesellschaft, doch der kulturelle Geist des Hauses Suhrkamp möge weiter wehen wie bisher. Aber welche Wendung auch immer es im Drama um Suhrkamp noch geben mag: Sie handelt vom langsamen Abschied von einem Verlag, der die deutsche Geistesgeschichte nach 1945 wie keiner sonst geprägt hat.