Die CDU führt ein neues Theaterstück auf. Es hat den Titel „Kalte Progression“. Kein Kassenschlager, in der letzten Wahlperiode ist das Stück auch durchgefallen, weil die Bundesländer es nicht sehen wollten. Dieses Mal allerdings ist die Inszenierung deutlich besser.

Wirtschafts- und Sozialflügel der Partei, eigentlich erbitterte Konkurrenten, haben sich zusammengeschlossen und stellen sich – zumindest scheinbar – gegen die Parteispitze, gegen die Regentin Angela Merkel und ihren Schatzminister Wolfgang Schäuble. Sie fordern die Abflachung der Steuertarife – im Namen der Fleißigen, so viel Pathos muss sein. Dass die Fleißigen davon gerade nichts hätten, weil es gar keine Inflation gibt, die irgendetwas auffrisst, ist egal. Es geht den Kämpfern ums Prinzip.

Außerdem geht es darum, dass die CDU auch einmal etwas durchsetzt in dieser Koalition. Zumal sie aufpassen muss: Vizekanzler Sigmar Gabriel von der SPD hat bereits die Hand nach der Progressionsidee ausgestreckt. Es galt, sich zu beeilen, bevor auch dieses Stück wieder von den Sozialdemokraten inszeniert wird.

Merkel kann nun zufrieden sein. Ihre Flügel sind beschäftigt. Und wenn die Bundesländer blockieren, hat sie ein Wahlkampfthema. Ein griffigerer Titel wäre dann noch gut. Welche Wahlkampfveranstaltung bringt man schon mit „Kalter Progression“ zum Jubeln? „Steuerbremse“ schlagen die Unions-Flügel vor. Könnte klappen.