Die Fifa hat – Ehre, wem Ehre gebührt – den Weltfußball revolutioniert. Sie hat bewiesen, dass das Ballspiel, das rund um die Erde die Menschen begeistert, genauso zur Geschäftswelt der Mafia gehört wie Drogen und Glücksspiel, und dass Korruption keine Begleiterscheinung des von der Fifa beherrschten Weltfußballs ist, sondern seine Geschäftsgrundlage. Weil das System, das Sepp Blatter nicht begründet, aber unbestritten perfektioniert hat, keine Verlierer kannte (bis auf den Fußball selbst), sondern nur Gewinner, gab es innerhalb der Fifa selten Widerspruch, von Widerstand zu schweigen – wenn alle verdienen, muss sich niemand beklagen.

„Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, schrieb Victor Hugo (1802–1885). Die Idee, den Weltfußball in ein Korruptionssystem zu verwandeln, scheint so machtvoll gewesen zu sein, dass auch die ehrenwerten Männer des Deutschen Fußballbundes sich ihr widerstandslos ergeben haben. Wenn mit Korruption alles möglich ist, ohne sie hingegen alles garantiert unmöglich, dann war – wie ein Bericht des Spiegel nahelegt – die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland nur mit Schmiergeld möglich. Aber die Revolution der Fifa ist vorbei. Jetzt frisst sie ihre Kinder, und ihr Appetit ist gewaltig. Wie es scheint, waren Blatter, Platini und andere vielleicht der Hauptgang, aber zum Dessert werden Beckenbauer und Niersbach serviert.