In Hessen könnte die der CDU-Herrschaft nach 15 Jahren endlich zu Ende gehen. Obwohl es in den vergangenen Wochen so schien, als ob Ministerpräsident Volker Bouffier mit seiner bei Angela Merkel ausgeborgten Einschläferungstaktik die Wahlen für sich entscheiden könnte, hat es für ihn und seine schwarz-gelbe Koalition nicht gereicht. Die Wähler haben sich nicht von der schöngefärbten Bilanz der Regierung täuschen lassen, sondern an den Positionen der Parteien bei den entscheidenden Sachfragen orientiert: Schulsystem, Kita-Plätze, bezahlbarer Wohnraum, Energiewende. Bestraft für die Unzufriedenheit mit Schwarz-Gelb wurden die Liberalen.

Obwohl das Ergebnis angesichts der früheren Stärke der Sozialdemokraten in Hessen keineswegs berauschend ausgefallen ist, kann Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel sich als Sieger fühlen. Vor fünf Jahren war er völlig überraschend an die Spitze der hessischen SPD gerückt und hatte im Jahr darauf ein Debakel bei den Landtagswahlen erlebt. Seitdem hat er die Partei wieder aufgerichtet und 2013 in ungewohnter Harmonie in den Wahlkampf geführt. Um nun auch noch Ministerpräsident zu werden, muss er die Sozialdemokraten von einer Zusammenarbeit mit der Linken überzeugen, ohne die es nicht zur Mehrheit reichen wird. Wenn er wirklich gestalten will, wie er selbst sagt, sollte er diese Chance ergreifen.