Früher einmal spielte der Zins im Wirtschaftsleben eine zentrale Rolle. Wer sein Geld zur Bank brachte, wurde mit einer Rendite fürs Sparen belohnt. Wer als Unternehmer oder Häuslebauer einen Kredit aufnahm, musste der Bank deutlich mehr zurückzahlen als er von ihr bekam. Das war der Kreditzins als Preis dafür, dass es das Geld sofort gab. Nun hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Miniatur-Leitzins noch einmal gesenkt und ihn damit de facto abgeschafft. Geld gibt es bei der Euro-Notenbank für Banken quasi umsonst. Und damit diese auch wirklich Kredite vergeben, müssen sie für Guthaben bei der EZB eine noch höhere Gebühr bezahlen. Die Notenbank zieht im Kampf gegen die Krise noch nicht alle Register. Aber weit entfernt davon ist sie nicht mehr.

Verzweifelte Lage

Deutlicher denn je macht die EZB klar, dass sie die Währungsunion in einer verzweifelten Lage sieht. Der Glaube, in der Eurokrise könnte das Schlimmste vorbei sein, hat sich in diesem Sommer endgültig als Illusion herausgestellt. Den Preis für die hektischen Rettungsversuche zahlen diesmal, anders als bei den Hilfspaketen für Griechenland oder Irland, nicht die deutschen Steuerzahler, sondern die Sparer. Bei allem Ärger aber sollten sie daran denken, dass die eigentlichen Opfer der Eurokrise die vielen Millionen Arbeitslose, ihre Familien und Kinder und die Jugendlichen ohne Chance und Hoffnung sind.