Kommentar zur Limburger Bischofsresidenz: Die Kalkulation des Bischofs

Die Verteidigungslinie ist absehbar: Kostenüberschreitungen sind bei Bauvorhaben doch an der Tagesordnung, erst recht, wenn der Denkmalschutz ins Spiel kommt. So wird sich Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst aus der Affäre um seine extravagante Residenz auf dem Limburger Domberg ziehen wollen. Wieder einmal. Aber sein Argument ist längst hinfällig. Zu oft hat das Bistum falsche Zahlen vorgelegt, zu leichtfertig ist der Bischof mit der Wahrheit umgegangen.

Diese Strategie hat sich erledigt nach der Bekanntgabe von Zahlen, die um das 10- bis 15-Fache über den ursprünglichen Kalkulationen und um mehr als das Dreifache über dem zuletzt vom Bistum selbst genannten Kostenrahmen liegen. Wenn die von Tebartz eigens eingesetzten Kontrolleure zum Ergebnis kommen, sie seien von ihm hinters Licht geführt worden, ist das ein vernichtendes Urteil – nicht nur über seine Eignung als Führungsfigur, sondern auch über ihn persönlich. Im besten Fall würde der Bischof jenen folgen, die ihn für hilfsbedürftig halten. Noch aber sieht es nicht danach aus. Tebartz beharrt auf dem Standpunkt, er sei vom Papst in sein Amt eingesetzt, und einzig der Papst könne ihn auch wieder daraus entfernen. Formal ist das richtig. Aber nirgends verbietet es das Kirchenrecht zu erkennen, wann es genug ist. Und kommt Tebartz nicht selbst darauf, muss es ihm gesagt werden. Notfalls aus Rom.