Das Ausspähen ausländischer Spitzenpolitiker sei das Kernziel von Spionage, hat der oberste US-Geheimdienstler James Clapper jetzt erklärt. Das habe man ihm schon vor 50 Jahren gesagt, als er in die erste Klasse der Geheimdienstschule kam. Er gab damit einen tiefen Einblick in seine Gedankenwelt. Ausländische Dienste wie der BND machten es schließlich auch so.

Das Abhören von Telefonen in fremden Regierungszentralen dient den US-Geheimdiensten also dem alleinigen Zweck, sozusagen in Echtzeit zu erfahren, ob sich die Aussagen ausländischer Staatschefs auch mit ihrer Politik decken. Es mag ja naiv klingen.

Aber der Erkenntnisgewinn, den ein Lauschangriff auf das Handy der Bundeskanzlerin bringt, dürfte sehr gering sein. Angela Merkel wäre nicht dort, wo sie ist, wenn sie gedankenlos Geheimnisse am Telefone verriete. Insofern waren die Spähattacken auf Merkels Mobiltelefon aller Wahrscheinlichkeit nach nur eine Verschwendung von Geld und Material.

Das Revolutionäre in seinen eigenen Worten hat Clapper jedoch nicht erkannt. Wenn es so sein sollte, dass Spionage nur dem einen Zweck dient, dann brauchen die USA auch kein Außenministerium mehr. Das Geschäft der klassischen Diplomatie ist überflüssig. Jetzt muss Clapper nur noch US-Außenminister John Kerry davon überzeugen. Und schon ist viel Geld gespart für den nächsten Lauschangriff.