Den Kanzlerkandidaten per Urwahl bestimmen? Kann man drüber reden, findet CDU-Generalsekretär Peter Tauber. Es gab Zeiten, da hätte so ein Gedankenspiel als Aufforderung zum Aufstand gegolten. Doch dass die aktuelle Vorsitzende ihren Mitarbeiter spielen lässt, ist höchstens in zweiter Linie ein Zeichen von Souveränität. Eher zeigt es die Verzweiflung der Volksparteien. „Jünger, weiblicher, bunter“ will Merkels Manager die CDU machen. Daran sind schon seine Vorgänger gescheitert.

Neue Beteiligungsformen, am besten plebiszitäre, sollen die Parteien attraktiver machen. Mit ihrem Mitgliederentscheid über den Beitritt zur großen Koalition hat die SPD gezeigt: Das kann sinnvoll, um die Basis einzubeziehen. Ob es ein Argument ist, in eine Partei einzutreten? Na ja...

Die Parteimitglieder werden nicht jünger. Jung sind höchstens die Mitarbeiter der Marketingagenturen, die sie für sich arbeiten lassen. Ist das schlimm? Wer sagt denn, dass zu einer Volkspartei unbedingt massenhaft Mitglieder gehören müssen, die in Ortsverbandssitzungen (oder auch im Internet) sich die Köpfe über dicke Parteitag-Antragspakete heiß streiten müssen?

Auch geschrumpfte Parteien können die Bürger erreichen, wenn „die da oben“ eine Politik machen, die „die da unten“ überzeugt. Wenn das gelingt, klappt’s nicht nur bei den Wahlen, sondern vielleicht auch mit neuen Mitgliedern.