Wenn es den Deutschen gut geht, sinkt ihre Neigung zu rechtsextremen Positionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Leipzig, die alle zwei Jahre Datenmaterial zu politischen Einstellungen und Weltanschauungen zusammenträgt und auswertet. Demnach ist der Anteil der Deutschen mit einem rechtsextremen Weltbild in den vergangenen zwölf Jahren von 9,7 auf 5,6 Prozent gesunken. Alles auf einem guten Weg also?

Das finden die Sozialwissenschaftler nicht. Die Tendenz, ganze Bevölkerungsgruppen auszugrenzen, ist nach wie vor groß. Fast die Hälfte der Befragten möchte beispielsweise Sinti und Roma am liebsten aus den Innenstädten verbannt wissen. Ressentiments, Fremdenfeindlichkeit und Abwehrinstinkte sind noch immer der Bodensatz einer Gesellschaft, die auf Zuwanderung angewiesen ist, aber doch dem Selbstbild einer homogenen Gemeinschaft nachhängt und nur mühsam akzeptiert, dass junge Menschen mit fremd klingenden Namen die besseren deutschen Fußballnationalspieler sein können.

Beunruhigend ist die Studie denn auch nicht allein wegen der befremdlichen Antworten auf manche Frage, sondern die Hartnäckigkeit von Einstellungen, gegen die Vernunft und selbst positive Alltagserfahrungen nichts auszurichten vermögen. Und die Befürchtung, dass sich die Haltungen zuspitzen, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert.