Der eine will nach rechts. Der andere nach links. Also wird Slalom gefahren. In der Rentenpolitik lässt sich derzeit beobachten, wie eine klientelfixierte Koalition mit übergroßen Mehrheiten funktioniert. Die Union hatte im Wahlkampf die Mütterrente versprochen. Die fand die SPD eigentlich zu teuer. Sie forderte stattdessen die Rente mit 63. Diese Rolle rückwärts bei den Lebensarbeitszeiten gefiel der Union nicht. Deshalb kommt nun beides.

Damit hat die sozialpolitische Slalombahnfahrt erst begonnen: Eigentlich sollte früher in Rente gehen dürfen, wer 45 Jahre hart malocht hat. Weil die SPD aber ihre Wähler nicht vor den Kopf stoßen will, werden auch Zeiten des Arbeitslosengeld-I-Bezugs mitgerechnet. Was dem Arbeitslosen recht ist, soll dem Selbstständigen billig sein, wenn er freiwillig versichert blieb. So will es die CSU, um die Handwerker zu beglücken – auch wenn die meist nur 85 Euro Mindestbeitrag zahlen und damit wenig zur Stabilisierung des Systems beitragen.

Dumm nur, dass das alles ein paar Milliarden kostet und nicht so recht zu einer alternden Bevölkerung passen will. „Oje!“, rufen ein paar Wirtschaftsfreunde in der Union und werden mit einem Arbeitskreis entschädigt, der diskutieren soll, wie man über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten kann. Fertig ist der Kompromiss: Von der Rente mit 67 über die Rente mit 63 zur Flexi-Rente 85plus – das muss der Koalition erst mal jemand nachmachen.