In der Flüchtlingskrise sei die Türkei das Schlüsselland, sagte Angela Merkel, als sie im Oktober nach Istanbul reiste, um sich der Hilfe der türkischen Regierung bei der Eindämmung des Migrantenstroms zu versichern. Die Bundeskanzlerin hat Ankara die Hauptrolle dabei zugewiesen. Bisher galt das Land als Insel der Stabilität im Chaos des Nahen Ostens. Doch wie viel Verlass ist noch auf einen Staat, der selbst immer mehr zum Problemfall wird, geschüttelt vom islamistischen Terror, dem Bürgerkrieg im kurdischen Südosten und dem massiven Abbau demokratischer Freiheiten? In dieser Woche fährt der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu nach London und Berlin, um für Investitionen in seinem Land zu werben. Er wird sich kritischen Fragen stellen müssen, vor allem dieser: Wie stabil ist eigentlich die Türkei?

Symptomatisch war die Reaktion auf den Anschlag gegen Touristen, bei dem zehn Deutsche in Istanbul starben. Während Frankreich nach den Attacken der Dschihadistenmiliz IS in Trauer geeint war, trafen sich am Bosporus nur wenige hundert Menschen zum gemeinsamen Gedenken. Der mächtige Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach lieber darüber, was ihn viel stärker bewegte: ein Aufruf zum Frieden im kurdischen Südosten von mehr als 1 000 türkischen Wissenschaftlern, die er „Vaterlandsverräter“ schimpfte und der Strafjustiz anempfahl.

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