Drei große Verlierer hat die Landtagswahl in Sachsen hervorgebracht, und paradoxerweise gehört dazu die Partei, die gewonnen hat – und das nicht nur vor Ort, sondern mit bundesweiter Wirkung: Die CDU ist wieder stärkste Partei geworden, so wie sie es seit über 20 Jahren ist in Sachsen. Seit der Wiedervereinigung hat sie dort den Regierungssitz scheinbar abonniert. Daran ändert sich nichts. Ein großartiges Wahlergebnis, ein Tag zum Feiern, schwärmten CDU-Vertreter am Wahlabend. Wirklich?

Die CDU hat in Sachsen zwar mehr Wählerstimmen bekommen als Grüne, SPD und Linke zusammen. Sie ist die mit Abstand stärkste Partei, mit einem doppelt so hohen Stimmanteil wie die Linkspartei, die auf Rang zwei folgt. Aber Begeisterung war deswegen nicht angebracht, man fand sie auch bei manch einem Christdemokraten eher in den Worten als in der Körpersprache.

Denn mit ihrem präsidial-gütigen bis überheblichen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich hat die CDU ihr schlechtestes Ergebnis bei einer sächsischen Landtagswahl eingefahren. Trotz guter Wirtschaftslage, trotz Schwäche des bisherigen Koalitionspartners FDP, trotz der Umfragekönigin Angela Merkel.

Ist es ein Tag zum Feiern für die CDU, wenn die Konkurrenz am rechten Rand an einem Wahlabend quasi aus dem Stand nach oben geschnellt ist? Der Stimmenanteil der NPD ist weiterhin besorgniserregend stark. Die rechtspopulistische AfD schaffte den Sprung in den Landtag nicht mal eben so, sondern deutlich. Die meisten ihrer Wähler kommen von der CDU. Stanislaw Tillich hat sie nicht binden können. Seine Strategie war, nicht über die Partei zu reden, eine Koalition mit der AfD nicht klar auszuschließen. Das war ein Fehler.

Die Demokratie ist Verlierer dieser Wahl

Und ist es ein Tag zum Feiern für irgendeine Partei, wenn über die Hälfte der Sachsen nicht einmal zur Wahl gehen? Die Demokratie ist der zweite Verlierer dieser Wahl, und auch daran trägt die CDU einen Teil der Schuld, weil sie den Wahltag auf den letzten Ferientag legen ließ.

Dagegen nimmt sich die Niederlage der FDP fast klein aus, obwohl sie für die Partei von existenzieller Bedeutung ist. Die Liberalen haben an der Elbe bisher mitregiert, nun sind sie aus dem Landtag geflogen.

Das mag zunächst ein Problem für die FDP sein, es ist aber auch ein weiteres für die CDU. Denn es bestätigt sich: Merkels Partei ist dauerhaft eine Koalitionsoption abhandengekommen. Sie hat sich zwar für die Grünen geöffnet, aber parallel legt die SPD ihre Scheu vor der Linkspartei ab.

Die CDU gerät also – mit Konkurrenz im eigenen Lager und dem Wegfall eines Partners – ins Hintertreffen. Eine Vormachtstellung wie in Sachsen, wo es nicht darum geht ob, sondern nur darum, mit wem man regiert, ist ein Sonderfall. Die Warnungen der CDU-Bundesspitze vor rot-rot-grünen Bündnissen in den Ländern – gemünzt vor allem auf die kommende Wahl in Thüringen – weisen darauf hin. Noch hoffen sie in der CDU auf die Vergänglichkeit der AfD-Erfolge. Aber zum Feiern ist an diesem Tag, der eigentlich ein Tag eines Wahlsiegs ist, wahrlich nicht jedem in der CDU zumute.