Von wem stammt der Slogan: „Deutsche, wir können stolz sein auf unser Land“? Mit dieser Frage sind auch zeitgeschichtlich gebildete Menschen zu verblüffen. Die Antwort lautet: So hat die SPD bei der Bundestagswahl 1972 für die Wiederwahl von Willy Brandt geworben. Mit mehr als 45 Prozent wurde es ihr bis heute bestes Wahlergebnis. Möglich, dass die sozialdemokratischen Europawahlkämpfer an diesen Erfolg gedacht haben, als sie auf den umständlichen Satz kamen: „Nur wenn Sie Martin Schulz und die SPD wählen, kann ein Deutscher Präsident der EU-Kommission werden.“

Das ist erstens doppelt so lang wie der historische Versuch, die nationale Karte zu spielen. Zweitens ist Martin Schulz nicht Willy Brandt. Und drittens schafft die Konkurrenz die Operation erheblich kürzer: „Für Deutschland. Für Europa. Morgen CDU wählen! “ Darüber ist Angela Merkel zu sehen, der lebende Willy Brandt der Union.

Das Original der volksparteilichen Kopien kommt mit drei Worten aus: „Mut zu Deutschland“. Es stammt von der AfD. Deren Umfrageerfolge haben Union und SPD offenbar einen Schrecken eingejagt. Wenn der Abstecher ins Nationale ihrer heimischen Eindämmung dient – sei’s drum. Im übrigen Europa aber könnte die Aussicht auf einen deutschen Kommissionspräsidenten eher abschreckend wirken. Dort haben sie nämlich schon genug von der Dominanz der deutschen Bundeskanzlerin.