Manchmal kommt das Wichtigste tatsächlich zum Schluss. Die Delegierten hatten schon ihre Koffer gepackt, als Sigmar Gabriel in der Leipziger Messehalle noch einmal ans Mikrofon trat und die einzig bemerkenswerte Rede des trüben SPD-Parteitags hielt. Offen sprach der Parteichef das massive Unbehagen vieler Genossen mit der großen Koalition an, formulierte kämpferische Forderungen an die Union und warnte vor einem Scheitern des Mitgliederentscheids. Am Ende klatschten die Delegierten kräftig.

Natürlich kann man diese Rede als Ankündigung verstehen, dass die SPD in den Koalitionsgesprächen den Druck erhöht. Das ist nach den Wahlschlappen ihrer Spitzenleute durchaus wahrscheinlich. Aber nichts spricht dafür, dass Gabriel die Verhandlungen platzen lassen will. Auch sind die Bedingungen, die er formuliert, keineswegs unerfüllbar: Den Mindestlohn hat die Kanzlerin schon zugestanden, und Wohltaten bei der Rente will auch die Union.

Gabriels eigentliche Botschaft ist eine andere. Sie richtet sich an die eigenen Leute und fordert Unterstützung nach einem erfolgreichen Abschluss der Koalitionsgespräche. „Ihr müsst kämpfen! Wir alle sind die Führung! Jeder hat Verantwortung!“, lautet die klare Ansage. Auch den Hinweis, es gehe um die Zukunft der SPD, kann man nur so verstehen: Die Zeiten werden härter – ein bisschen für die Union, mehr noch aber für die Koalitions-Kritiker in der SPD.