Das bemerkenswert Sympathische an der Krisendiplomatie des deutschen Außenministers in den vergangenen Monaten der Ukraine-Krise war ihre Bescheidenheit. Sie hat den Schulterschluss gesucht: jedenfalls hatte man den beruhigenden Eindruck, dass jeder Schritt nicht nur mit der Kanzlerin, sondern auch mit den europäischen Partnern abgestimmt war. In dieser Einigkeit lag Ruhe und Bestimmtheit. Sie vermittelte Gelassenheit inmitten des anschwellenden Gefechtslärms. Sie hatte eben nichts von dem, was der russische Präsident im Umgang mit seinem Land stets beklagt, nichts Auftrumpfendes, nichts Triumphales. Russland ist durchaus ernst genommen worden, in seinen berechtigten Interessen ebenso wie in seinem Handeln.

Bemerkenswert ist auch, dass es nicht der politische Gegner ist, der diese Politik kritisiert. Es sind immer wieder Stimmen aus der SPD selbst, die nicht nur Merkels, sondern auch Steinmeiers Russlandpolitik konterkarieren. Es sind Egon Bahr, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und jetzt Matthias Platzeck, die erklären, Russlands Sicherheitsinteressen seien missachtet worden, man habe seine Einkreisungsängste nicht ernst genug genommen und müsse daraus nun die Konsequenz ziehen, den Anspruch Moskaus auf die Krim anzuerkennen. Seltsam, dass Russland, dem man doch auf Augenhöhe begegnen will und dessen Stärke man immerfort betont, dieser breiten Verteidigungsfront bedarf.