Seit vier Jahren schleppt sich der Tod einer Frau, die – sterbenskrank – nicht sterben darf, nun schon durch die Instanzen der ordentlichen Gerichtsbarkeit. 2009 fiel die Frau nach einem Schlaganfall in Wachkoma, ein Jahr später beantragten ihre Betreuer – Ehemann und Tochter – die Einstellung weiterer lebenserhaltender Maßnahmen, denn so entspreche es dem – wenn auch in keiner Patientenverfügung erklärten – mutmaßlichen erklärten Willen der Patientin.

Nach einem weiteren Jahr wiederholten sie den Antrag, im Jahr darauf noch einmal. Im Jahr 2012 lehnte ein Amtsgericht den Antrag ab, im Jahr 2013 ein Landgericht, jetzt hat der Bundesgerichtshof (BGH) dem ersehnten Tod endlich grünes Licht gegeben, das heißt, genau betrachtet ist es gelb. Denn der BGH hat zwar die Anforderungen an die rechtmäßige passive Sterbehilfe ein wenig gesenkt, aber die Sache an das Landgericht zurückverwiesen. Irgendwann in diesem oder nächsten Jahr kommt dann der Tod auf dem Rechtsweg zu seinem Recht.

Man möchte in einem solchen Fall kein Richter sein, alles sträubt sich, einem Menschen einen rechtlich verbrieften Anspruch auf den vorgezogenen Tod zu attestieren. Aber noch mehr sind Patienten wie die sterbenskranke Frau zu bedauern, denen nach einem halben Jahrzehnt höchstrichterlich bescheinigt wird, dass ihre Leiden nicht nur von der Apparatemedizin, sondern von Gerichten künstlich, das heißt zu Unrecht verlängert worden sind.