Die gute Nachricht: Im Ukraine-Konflikt werden endlich Kompromisse gemacht. Dazu gehören nicht nur der Sonderstatus für die Rebellengebiete im Donbass sowie die Straffreiheit für deren Kämpfer, sondern auch die simultane Ratifizierung des Assoziierungsvertrags zwischen Ukraine und EU durch die Parlamente in Kiew und Straßburg. Denn das darin enthaltene Freihandelsabkommen tritt erst Silvester 2015/2016 in Kraft. Gerade seine Bestimmungen sind heftig umstritten. Aus Angst vor ihren sozialen und wirtschaftlichen Folgen kippte vor knapp einem Jahr der damalige Staatschef Janukowitsch das gesamte Assoziierungsabkommen und löste so indirekt die Maidan-Revolution aus. Außerdem brachte dieses Abkommen Russland in Stellung und trieb im Frühjahr die Bewohner der Ostukraine massenhaft in die Arme der prorussischen Rebellen.

Womit wir bei der schlechten Nachricht sind: Der Aufschub des Freihandelskommens kommt als zu Kompromiss spät. Hätte Europa bei den jahrelangen Vorverhandlungen Moskau mit an den Tisch geholt, hätte es berechtigte Interessen der russischen und der ostukrainischen Wirtschaft berücksichtigt, wäre vielleicht alles anders gekommen. Jetzt aber hat der Kreml längst auf blutige Feindschaft gegen Kiew umgeschaltet, Tausende im Donbass sind umgekommen. Und es ist unklar, ob Russland jetzt noch Kompromisse akzeptiert – oder nur noch Kapitulation.