Je mehr die Kämpfe im Donbass einer Kette von Kriegsverbrechen gleichen, umso heftiger wird nach Motiven und Tätern gesucht. Dass immer mehr Zivilisten umkommen, deutet auf enorme Gewaltbereitschaft der ukrainischen wie der prorussischen Krieger. Dass dabei die Separatisten, die sich immer als Beschützer der wehrlosen Bevölkerung präsentierten, besonders blutig agieren, mag Folge einer zufälligen Häufung von Fehlern auf unterer Kommandoebene sein.

Dagegen allerdings spricht, dass die Führer der Separatisten immer lautstärker Großoffensiven ankündigen. Vielleicht warten die Rebellenhäuptlinge ja seit Monaten auf die Erlaubnis aus Moskau, groß loszuschlagen, und veranstalten jetzt eigenmächtig Feuerüberfälle, um den endgültigen Showdown zu provozieren.

Aber die Russen haben die Führung der Separatistenrepubliken schon im Sommer umgekrempelt: Feldkommandeure abgesetzt, verschwinden lassen oder gar ermordet. Ihre Nachfolger, wie der besonders wortgewaltige Rebellenpremier Alexander Sachartschenko, gelten als moskautreu. Das wieder lässt vermuten, dass der Kreml selbst Urheber der Eskalation ist.

Was auch immer er damit bezweckt, der Westen sollte sich an den Gedanken gewöhnen: Moskau betrachtet weder US-Sanktionen noch deutsche Kompromissangebote als Anlass, selbst einzulenken. Putin gedenkt, seine Ziele weiter mit kriegerischen Mitteln zu erreichen.