Es war nicht anders zu erwarten und auch nicht zu verhindern. Julia Timoschenko will Präsidentin der Ukraine werden. Für das Land wäre ihre Wahl die nächste Katastrophe nach der völkerrechtswidrigen russischen Annexion der Krim. Timoschenko hat sich nicht erst durch ihre Hasstiraden gegen Putin disqualifiziert. Sie ist als Präsidentin ungeeignet, weil sie zur alten Ukraine gehört. Zu jener Ukraine, in der sich die politische Klasse in zwei korrupte und kleptokratische Gruppen teilte. Die eine davon war an der Macht und die andere in der Opposition.

Die Rolle, die sich Timoschenko bei der Verkündung ihrer Kandidatur zuschrieb, zeugt von fortgeschrittenem Wirklichkeitsverlust. Sie präsentierte sich als Kandidatin der ukrainischen Einheit – tatsächlich polarisiert kaum jemand so stark wie sie. Sie versprach, die Oligarchen zu zwingen, nach den Regeln zu spielen – und vergaß zu erklären, nach welchen Regeln sie zu ihrem Vermögen gelangt ist.

Sie erklärte, die Krim werde zurückgewonnen – und verschwieg, dass dies nur mit Krieg möglich ist.
Die Ukraine geht durch schwere Zeiten, aber sie hat auch die Chance zu einer Wende, einem Neuanfang. Es ist derzeit unsicher, ob das Land diesen Weg gehen kann. Aber es ist sicher, dass es seine Chance verspielt, wenn Timoschenko Präsidentin wird. Sie ist Teil der ukrainischen Probleme, nicht deren Lösung.