Nicht einmal die Wähler des unterlegenen Victor Ponta müssen sich grämen. Kurz bevor sie an der Demokratie schon fast verzweifelt wären, haben die Rumänen am Sonntag ein System abgewählt.

Victor Ponta, einst ein erfolgreicher Basketballer, hat in seiner kurzen Amtszeit als Regierungschef die Meisterschaft in einer Disziplin bewiesen, die den meisten Bürgern bei einem Politiker nicht gefällt: im Tricksen, Täuschen und gnadenlosen Verwandeln. Wer Ponta wählte, tat das nicht, weil er sich Befreiung von dem korrupten Klientelsystem der Lokalbarone erhoffte, das der Regierungschef so souverän beherrschte. Ponta wählte vielmehr, wer glaubte, sich mit dem System irgendwie arrangieren zu müssen.

Eine knappe Bevölkerungsmehrheit meint das zum Glück nicht. „Klaus, Klaus, Klaus – Retter von der Micky-Maus“, riefen die Demonstranten in Anspielung auf Pontas Spitznamen in der Wahlnacht auf dem Universitätsplatz von Bukarest. Klaus Johannis, der Deutsche ohne eigene Klientel, taugt nicht zum neuen „Paten“. Anders als Ponta es getan hätte, muss er seine Befugnisse nicht dazu nützen, korrupte Parteifreunde zu retten. Er wird ein schwacher Präsident sein, ganz so, wie die Verfassung es will. Die Bürger, die furchtlosen Staatsanwälte und Richter, die der Korruption im Lande zu Leibe rücken wollen, dürfen ohne einen unheimlichen Regisseur an der Staatsspitze umso stärker sein.