Deutschland startet einen neue Versuch, den Konflikt über die Endlagerung von Atommüll beizulegen. In Berlin kam am Donnerstag erstmals das Expertengremium aus Politikern, Wissenschaftlern und Verbandsvertretern zusammen, das die Kriterien für diesen Neustart erarbeiten soll. Eine Vorfestlegung auf den umstrittenen Standort im niedersächsischen Gorleben soll es nicht mehr geben.

Bundespräsident Norbert Lammert (CDU) appellierte an die Kommissionsmitglieder, möglichst zügig zu arbeiten und sich auf Kompromisse einzulassen. „Wenn es bei diesem Thema einen breiten gesellschaftlichen Konsens gäbe, hätten wir diese Kommission nicht gebraucht“, sagte er. Es wäre wünschenswert, dass das Gremium nicht viel länger als die vorgesehenen zwei Jahre für seine Arbeit brauche, sagte Lammert mit Blick auf das Ende der Legislaturperiode im Jahr 2017.

Spätestens 2031 soll der Standort für die neue Atommüll-Deponie gefunden sein. Nach Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz ist es aber unwahrscheinlich, dass das Endlager vor 2050 betriebsbereit sein wird. „Das wäre sehr ambitioniert“, sagte Behördenchef Wolfram König. „Alle früheren Zeitvorstellungen haben sich als falsch erwiesen.“

Umweltschützer wollen Gorleben schonen

Der Neustart der Endlagersuche im vergangenen Jahr kurz vor der Bundestagswahl vom Parlament beschlossen worden. Bund und Länder sowie die damalige Bundestagsfraktionen von Union, FDP, SPD und Grünen wollten mit dem Kompromiss einen Schlussstrich ziehen unter die mehr als 30 Jahre dauernde Auseinandersetzung um den Salzstock Gorleben. Der Arbeitsbeginn der Endlager-Kommission verzögerte sich mehrfach, weil es Streit um die Besetzung des Gremiums gab.

Ein erheblicher Teil der Umweltbewegung lehnt das Vorgehen bei der Suche weiterhin ab und kritisiert, dass der Standort Gorleben nicht von vorn herein ausgeschlossen wird.