Zu "Wo stand denn gleich noch mal die Mauer?" von Jens Blankennagel (11. Dezember):Die deutsch-deutsche Teilungsgeschichte, die nun zu dem peinlichen Vorgang um die falsch aufgestellte Erinnerungstafel in Dallgow-Döberitz geführt hat, ist noch ein wenig komplizierter. Im August 1945 kam es zwischen Briten und Sowjets zu einem Gebietsaustausch, bei dem nicht - wie Sie schreiben - der Flugplatz Gatow gegen West-Staaken getauscht wurde: Gatow gehörte schon zum britischen Sektor, doch die Briten hatten keinen allein von ihnen kontrollierten Zugang dazu. Südwestlich schloss sich die Gemeinde Groß-Glienicke an, die vollständig zur Provinz Brandenburg gehörte. Nördlich ragte ein schmaler Streifen (der so genannte Seeburger Zipfel) weit in den britischen Sektor hinein. Der damals von den Russen noch genutzte Flugplatz Staaken lag zu einem kleinen Teil wiederum im britischen Sektor von Berlin.Im Rahmen des Gebietsaustauschs vom Sommer 1945 kamen nun ein Teil von Groß-Glienicke und der Seeburger Zipfel nach Berlin, West-Staaken wurde zunächst dem sowjetischen Sektor von Berlin zugeschlagen und wurde viele Jahre später eigenständige Gemeinde in der DDR. 1990 wurde dieser Austausch nun zum Teil rückgängig gemacht, allerdings nur in Bezug auf Gebiete, die Berlin zuvor verloren hatte. Deshalb hat Berlin heute mehr Fläche als vor der Teilung.Was Berlins anfängliche Nichtbeteiligung an dem Projekt mit den Erinnerungstafeln betrifft, muss ergänzt werden, dass es längst ein eigenes Projekt zur Markierung wichtiger Punkte an der früheren Grenze umgesetzt hat - auch an der Stelle (Heerstraße, Ecke Bergstraße), an die die fälschlich in Dallgow aufgestellte Tafel hingehört. Überall finden sich Stelen, die die frühere Situation zeigen und erklären.Matthias Judt, per E-Mail