Wo bleibt das Drama in den USA? Letztes Mal noch nötigte die republikanische Opposition das Land beim Haushaltsstreit fast in den Staatsbankrott. Und nun? Nun tritt der Vorsitzende des Haushaltsausschuss im Abgeordnetenhaus, der rechte Tea-Party-Mann Paul Ryan, gemeinsam mit seiner demokratischen Senatskollegin Patty Murray entspannt vor die Kameras, um einen Haushaltskompromiss zu verkünden, auf den er „stolz“ ist. Stolz, obwohl fast keine Sozialleistungen gekürzt werden? Stolz, obwohl er für die Bürger teuer wird – statt Steuern werden eben Gebühren erhöht? Stolz, obwohl der Staat nun doch etwas mehr Geld ausgeben kann?

All das hatten Konservative wie Ryan bis vor kurzem strikt abgelehnt. Ein Erfolg für die Republikaner ist dieser Haushalt also nicht. Allerdings auch nicht für die Demokraten von Präsident Barack Obama. Sie müssen Kürzungen für Langzeitarbeitslose hinnehmen und den Verzicht auf Steuererhöhungen. Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur müssen daher erneut aufgeschoben werden.

Angesichts der heillos zerstrittenen Parteien in den USA wirkt der Kompromiss wie ein toller Erfolg. Er ist es nicht. Denn für seine vielen Aufgaben bräuchte der Staat viel mehr Geld. Geld, das die Reichen im Überfluss haben, während die Armen darben. Doch Umverteilung ist in Amerika verpönt. Das ist das eigentliche Drama.