Washington - Barack Obama sitzt entspannt auf seinem Stuhl im Weißen Haus und hat die Hände auf den Oberschenkeln gefaltet. Vor ihm sitzt CNN-Mann Wulf Blitzer, nickt aufgeregt mit dem Kopf und fordert den US-Präsidenten auf, jetzt die Gelegenheit zu nutzen, um in die Kamera zu schauen und Mr. Assad in Damaskus direkt die Meinung zu sagen. Da lächelt Obama kurz auf und erklärt, er werde das nicht machen: „Mr. Assad hat sicher seine Leute, die für ihn jetzt zuschauen.“ Obama will sich nicht herum kommandieren lassen. Nicht während dieses TV-Interviews, das eines von sechs an diesem Tag ist - und eine Generalprobe für die Rede an die Nation, die er am Dienstagabend halten muss. Um den Amerikanern zu erklären, warum er einen Militärschlag gegen Syrien für nötig hält. Obama lächelt noch einmal und deutet an, dass es dazu aber nicht kommen muss. Es klingt beiläufig.

In Wirklichkeit sind das dramatische Sekunden, in denen klar wird, dass der Krieg noch verhindert werden könnte. Obama sagt, er sei für Vorschläge offen. Er finde, der russische Vorschlag, die syrischen Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen, sei „eine positive Entwicklung“. Wenn sie ernst gemeint sei, sagt Obama. Blitzer bewegt wieder ganz aufgeregt den Kopf auf und ab. Er hat schnell begriffen, was das heißt: Obama kämpft den wichtigsten Kampf seiner Präsidentschaft, ist Hauptfigur in einem gewaltigen Werbefeldzug für den Krieg - und sagt ganz beiläufig: Es geht auch ohne Krieg. Wenn die Syrer tatsächlich ihr Giftgas abgeben.

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