Noch immer haben Frauen Schwierigkeiten, Karriere zu machen. Eine Ursache hierfür liegt nach Ansicht der Unternehmensberaterin und Autorin Maria Hof-Glatz in den Konflikten von Frauen mit gängigen Firmen-Hierarchien. "Wer sich mit den Regeln der Rangfolge nicht auskennt, dem nützen auch keine Rhetorikkurse", sagt die Expertin. Frauen müssten die Normen meist erst im Berufsleben erlernen, während sich Männer diese bereits als Kinder antrainieren. In Jungen-Gruppen stehe nach drei Wochen fest, wer das Sagen hat. Diese Struktur ist beständig, weil sich die Mitglieder daran halten. Deshalb gibt es wenig Konflikte. Erst wenn einer versucht die anderen zu überholen, entsteht Streit. Phänomen "Krabbenkorb"Frauen dulden solche Dominanzhierarchien selten. Für sie kommt es darauf an, welchen Nutzen ein Mitglied für die Gruppe bringt. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen "Krabbenkorb", berichtet Hof-Glatz. Alle sind so miteinander beschäftigt, sodass keine aus dem Korb ausbrechen kann. Vorschriften von oben werden von ihnen auf Sinnhaltigkeit überprüft. Sehen Frauen keinen Vorteil, verfahren sie oft weiter nach dem alten Muster. Diese Strategie ist jedoch karriereschädlich. Chefs fühlen sich dadurch in ihrer Autorität herabgesetzt. Männer stellen Anweisungen dagegen viel seltener in Frage.Außerdem sind Frauen in den Machtritualen von Männern ungeübt, berichtet die Expertin. Während männliche Kollegen in Rededuellen ihre Kräfte messen, vermeiden viele Frauen diese Art der Konfrontation. Für sie hat ein Konflikt auch offenbar eine größere Bedeutung. "Männer attackieren sich in der Konferenz und gehen abends zusammen ein Bier trinken", sagt Hof-Glatz. Das sei nicht verlogen, sondern werde als normal empfunden. Frauen tragen den Streit länger mit sich herum. Doch die Expertin rät trotzdem nicht zu einer Verstellung der Persönlichkeit im Beruf. "Wichtig ist, dass der Mensch authentisch bleibt", sagt sie. Nach ihrer Beobachtung können Frauen erfolgreich sein, ohne ihre Weiblichkeit abzulegen. Voraussetzung dafür sei, dass sie ihr Ziel, eine Rangposition zu erreichen, in den Vordergrund ihres Handelns rücken. "Viele Frauen neigen dazu, akzeptiert und beliebt sein zu wollen", sagt Hof-Glatz. Vor allem dieser Wunsch blockiere die Karriere. Als Chefin legt man sich zwangsläufig mit anderen an.