Er ist einer der bekanntesten deutschen Fernsehkorrespondenten - und einer der erfahrensten. Wann immer es in den vergangenen Jahren Krieg gab im Mittleren Osten, wann immer Diktatoren gestürzt wurden und Selbstmord-Attentäter Menschen in den Tod bombten: Ulrich Tilgner war in der Nähe und schilderte für das ZDF die Ereignisse, unaufgeregt und bestens. Seit 1982 berichtet Tilgner aus der Region. 2002 übernahm er die Leitung des ZDF-Studios in Teheran. Seine Analysen werden von den Zuschauern ebenso geschätzt wie von den Fachleuten.Jetzt will sich Tilgner vom ZDF trennen. Zumindest teilweise. Seinen bis Ende März gültigen Korrespondenten-Vertrag lässt er auslaufen. Dem in Zürich erscheinenden Migros-Magazin vertraute er an, künftig hauptsächlich für das Schweizer Fernsehen SF zu arbeiten, für das er auch schon heute berichtet.Seinen Schritt verbindet Tilgner mit deutlicher Kritik an seinem Haussender. Dem Magazin sagte er, dass er sich in Deutschland in seiner Arbeit zunehmend eingeschränkt fühle, "gerade auch, was die Berichterstattung aus Afghanistan angeht, jetzt, wo dort deutsche Soldaten sterben." Indirekt wirft er dem ZDF - aber auch anderen deutschen TV-Anstalten - vor, nicht vorbehaltlos aus dem Land zu berichten. Es gebe Bündnisrücksichten, sagte Tilgner, die sich im Grad der redaktionellen Unabhängigkeit der Sender widerspiegelten. Gleichzeitig werde Politik immer mehr in Nischen verdrängt. "In der Schweiz hingegen sind Sendungen wie ,Tagesschau' oder ,10vor10' Institutionen", zitiert ihn das Migros-Magazin. Dort habe er noch keine Eingriffe in seine Arbeit erlebt. Was im Umkehrschluss ja nichts anderes heißen kann, als dass solche Eingriffe im ZDF vorgekommen sind.Der Sender will den Vorgang nicht überbewerten. Hier sieht man Tilgners Kritik als normale Diskussion zwischen Korrespondent und Heimatredaktion. "Wir schätzen die Arbeit von Ulrich Tilgner sehr", sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender der Berliner Zeitung. Von einer Trennung von Tilgner könne denn auch keine Rede sein. "Seit September ist klar, dass Ulrich Tilgner seinen Vertrag nicht verlängern wird", sagte Brender. "Jetzt wollen wir die Zusammenarbeit mit ihm auf eine andere Basis stellen." Derzeit werde an einer neuen Übereinkunft mit dem Korrespondenten gearbeitet. Ob und wie Tilgner künftig im ZDF zu sehen sein wird, ist allerdings noch offen.Dem Migros-Magazin sagte Tilgner, er wolle künftig wieder mehr Dokumentationen drehen. Für die aktuelle Berichterstattung aus der Krisenregion bliebe dann weniger Zeit. Für seine Reportagen aus dem Irak hat Tilgner im Jahr 2003 den begehrten Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis erhalten. Gemeinsam übrigens mit Antonia Rados, die damals für RTL aus der Region berichtete. Rados wiederum wechselt im Frühjahr zum ZDF, um die Auslandsberichterstattung des "heute-journals" zu unterstützen. Zwischen den Personalien Rados und Tilgner gebe es aber keinen Zusammenhang, sagte ZDF-Chefredakteur Brender.------------------------------Foto: Ulrich Tilgner berichtet seit mehr als 25 Jahren über den Nahen und Mittleren Osten. Bekannt wurde der gebürtige Bremer durch seine Reportagen über den Irak-Krieg. Seit 2002 leitet Tilgner das ZDF-Studio in Teheran. 2003 erhielt er den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis.