BERLIN. Der Bundesnachrichtendienst kommt in einer 2005 gefertigten Analyse zu einer düsteren Einschätzung der politischen Gegenwart und Zukunft des Kosovo. Demnach wird die südserbische Provinz von Netzwerken aus hochrangigen Politikern und international operierenden kosovo-albanischen Mafiabanden beherrscht, die an einer funktionierenden staatlichen Ordnung kein Interesse haben. Ziel dieser Netzwerke sei es vielmehr, im Kosovo ein "geeignetes politisches Umfeld" für ihre kriminellen Geschäfte zu schaffen, heißt es in der BND-Analyse.Vor diesem Hintergrund dürfte es für die internationale Gemeinschaft "schwierig werden, rechtsstaatliche und demokratische Strukturen im Kosovo zu verankern", prognostiziert der Geheimdienst. Auch zukünftig werde das Kosovo daher "eine Schlüsselrolle als Transitregion für den Drogenhandel in Richtung West-Europa behalten"."Das gesamte Spektrum"Begründet wird diese Annahme vom BND unter anderem damit, dass Vertreter der politischen Führung Kosovos maßgeblich an kriminellen Aktivitäten der Mafia beteiligt sind. Diese vom BND als "Multifunktionspersonen" bezeichneten Kräfte nutzten ihren Einfluss in der Unterwelt zur Durchsetzung ihrer eigenen Interessen und schafften gleichzeitig durch ihre Beziehungen in Politik, Wirtschaft und Sicherheitsbehörden "für die Organisierte Kriminalität Freiräume und Zugänge für deren klassische Betätigungsfelder", die das "gesamte Spektrum krimineller, politischer und militärischer Aktivitäten" umfassten. Genannt werden vor allem Drogen-, Zigaretten- und Waffenschmuggel, illegaler Treibstoffhandel, Menschenschmuggel und Schutzgelderpressung.Zu den "Multifunktionspersonen" rechnet der BND mindestens drei Spitzenpolitiker: Hashim Thaci, Chef der oppositionellen Demokratischen Partei (PDK) und Oppositionsführer im kosovarischen Parlament, sein Vertrauter und PDK-Vize Javit Haliti sowie Ramush Haradinaj, Gründer der Regierungspartei Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK) und dort derzeit wohl einflussreichster Politiker.Haradinaj hatte 2005 sein Amt als Regierungschef niedergelegt und sich dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gestellt. Auf Betreiben des jüngst zurückgetretenen UN-Gouverneurs im Kosovo, Sören Jessen-Petersen, der Haradinaj als "Freund und Partner" bezeichnete, befindet sich der frühere UCK-Kommandeur aber inzwischen wieder unter strengen Auflagen auf freiem Fuß in Pristina.Auch der gegenwärtige Regierungschef, Agim Ceku, wird vom BND mit kriminellen Geschäften der kosovo-albanischen Mafiagruppen, den sogenannten Bruderschaften, in Verbindung gebracht. Der Geheimdienst ordnet Ceku der Gruppe um Thaci und Haliti zu, die die Region um die Stadt Drenica kontrolliert. Die drei würden sich laut BND regelmäßig zu Absprachen über illegale Machenschaften im Grand-Hotel in Pristina treffen.------------------------------Foto: Berechtigte Sorge: albanischer Nationalismus plus Mafia gleich Kosovo?