Berlin hat ein gewaltiges Lärmproblem: Knapp 200000 Bürger müssen Nacht für Nacht gesundheitsgefährdendes Verkehrsgetöse über sich ergehen lassen, teilte die Stadtverwaltung in ihrem kürzlich veröffentlichten "Lärmaktionsplan" mit. Und: Die geplanten nächtlichen Fahrverbote für LKWs sowie die Ausweitung der Tempo 30-Zonen allein reichen für eine Entspannung der Situation wahrscheinlich nicht aus. Denn die Bestandsimmobilien entlang der Hauptstraßen gehören zu den ältesten der Stadt -als sie errichtet wurden, hat an Schallschutz noch niemand gedacht. Wer endlich Ruhe haben will, muss deshalb wohl meist selbst Hand anlegen.Nach dem Berliner Wohnungsaufsichtsgesetz von 2005 gelten auch für Altbauten die heutigen Mindestanforderungen an den Schallschutz. Und die sind komplex: "Man geht nicht schnell mal in den Baumarkt und hat dann den Schallschutz in der Wohnung", warnt Christian Burkhart, Vorsitzender des Fachausschusses für Bau- und Raumakustik der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V. Zunächst müsse es darum gehen, nach den Ursachen für das persönliche Lärmproblem zu fahnden: Wo entsteht er, wie wird er in die eigene Wohnung übertragen und wie lässt sich Abhilfe schaffen?Oft ist es deshalb angebracht, einen erfahrenen Experten zu Rate zu ziehen. Da dessen Gutachten jedoch mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlagen kann, stellt sich sogleich die Kostenfrage. Denn die Auslagen für ein erstes Gutachten müssen Mieter zunächst selbst übernehmen. Wird dabei allerdings eine erhöhte Lärmbelastung festgestellt, kann er auf Grundlage des Gutachtens von seinem Vermieter die Beseitigung des Mangels verlangen. Gerade bei bereits sanierten, ungewöhnlich hellhörigen Gebäuden hat dieser Weg einige Aussicht auf Erfolg, da "auf Schallschutz bei der Sanierung kaum geachtet wird", sagt Bernhard Marx, Experte für Bauakustik. Doch für modernisierte Häuser gelten nicht mehr die Bestimmung des Bau-, sondern die des Sanierungsjahres. Und die sind meist wesentlich strenger.Nachträglich Schallschutz einzubauen, ist indes aufwändig und teuer. Zum Beispiel dann, wenn intakte Fenster durch Schallschutzfenster ersetzt werden müssen -nur weil man nicht rechtzeitig über das Lärmproblem nachgedacht hat. Allerdings sind auch die besten Dämmgläser letztlich nahezu nutzlos, wenn die Wand drumherum dünn wie Papier ist. Gerade in den oberen Etagen von Altbauten haben die Trennwände zwischen Mietwohnungen von Stockwerk zu Stockwerk eine geringere Dicke. Auch bei der Zusammenlegung von Wohnungen werden oft nur dünne Trockenbauwände eingezogen -ohne Rücksicht auf das Ruhebedürfnis der Bewohner. So genannte Trockenbauvorsatzschalen, die sich vor die eigentliche Wand montieren lassen, schaffen hier Abhilfe. In Altbauten mit lichter Raumhöhe kann es sich auch lohnen, die Decken abzuhängen: "Das senkt den Lärmpegel um sieben bis zehn Dezibel" meint Bernhard Marx. Dafür benötigt man spezielle, "biegeweiche" Platten, am besten Mineralfaserplatten: "Biegeweich heißt, sie nehmen Schwingungen auf und dämpfen und dämmen so."Eine ganz andere Form der Lärmbelastung entsteht aus Körper- oder Trittschall. Denn dieser überträgt sich nicht durch die Luft, sondern durch den Baukörper selbst -Stöckelschuhe, die über ein Parkett klackern, versetzen zunächst den Boden in Schwingung, dieser leitet das Geräusch in die Wand und schon dröhnt es im ganzen Haus.In Neubauten beugt man diesem Effekt mit einem schweren schwimmenden Zementestrich vor. Doch in Altbauten, in denen diese Böden meist nicht vorhanden sind, gestaltet sich der Schallschutz schwierig: "Laminat oder Teppichboden, die bei Massivdecken durchaus hilfreich sind, bringen kaum Verbesserung", weiß Bernhard Marx. Auch hier empfiehlt der Experte eine Unterdecke, um den Trittschallpegel zu reduzieren. Prinzipielle Hilfe gegen Körperschall bietet indes eine Trennfuge. Dafür wird der Oberboden auf eine Trittschalldämmung verlegt, sodass zwischen Wand und Parkett eine Fuge bleibt, in der Dämmmaterial die Übertragung von Schall verhindert.Welche Maßnahme auch notwendig ist: Die Lärmbelastung zu reduzieren, erfordert einigen Aufwand und eine gute Planung. Doch ein unruhiger Schlaf ist auf die Dauer sicher anstrengender.------------------------------SCHALLDÄMPFERKostenEine bauakustische Prüfung der gesamten Wohnung kostet je nach Informationsstand zwischen 600 und 2500 Euro, die anschließende Planung notwendiger Maßnahmen zwischen 500 und 1000 Euro.Schallbrücken abdichtenHäufige Lärmleiter sind Schallbrücken. Diese treten überall dort auf, wo Rohre, Bodenabläufe, Türzargen und Ähnliches mit dem Estrich verbunden sind. Deshalb benutzt man bei der Montage schwingungsträchtiger Einbauteile Kunststoffdübel zur Ummantelung der Schrauben. Durchbrüche für Rohrleitungen sollten immer mit Dichtungsmaterial gedämmt werden. Gut eignet sich hierbei Mineralwolle, dagegen richten Hartschäume eher wenig gegen Lärm aus.Lärm vermeidenBevor man sich durch entsprechende Baumaßnahmen in Unkosten stürzt, ist zu prüfen, ob es nicht genügt, mögliche Lärmverursacher auszuschalten. Eine fest auf Gummifüßen stehende Waschmaschine ist noch leiser, wenn sie keine Wand berührt. Das Gleiche gilt auch für den Kühlschrank. Außerdem gibt es für die Lautsprecher einer Musikanlage schallisolierende Lagerungen. Teppiche dämpfen den Trittschall, Vorhänge reduzieren den Hall.------------------------------Foto: Wer nicht mehr mit Ohropax schlafen möchte, sollte über Lärmschutz für das Haus nachdenken.