Krankheit von Beinlich endlich erkannt: Hertha sagt Spiel wegen Schneechaos ab

BERLIN, 23. Februar. Am Freitagvormittag sagte Hertha BSC das für Sonnabendnachmittag im Berliner Olympiastadion angesetzte Bundesligaspiel gegen die SpVgg. Unterhaching wegen des starken Wintereinbruchs ab. "Die Zufahrtswege und Tribünen sind in so kurzer Zeit nicht zu räumen", erklärte Hertha-Sprecher Hans-Georg Felder. Ein Nachholtermin steht noch nicht fest. Wegen der zehn Zentimeter hohen Schneedecke zog Hertha-Trainer Jürgen Röber am Freitagnachmittag kurzerhand zum Training in den vom Verein bis Ende März gemieteten Hangar eins im Flughafen Tempelhof um. Nicht dabei beim Üben auf dem Kunstrasen war wie schon in den zurückliegenden sechs Wochen Nationalspieler Stefan Beinlich. Der 29-Jährige schuftete derweil wie an jedem Tag beim Krafttraining in Spandau.Morton sche AnomalieTrotzdem: Auch von Beinlich gibt es Neues zu vermelden. Endlich haben die Mediziner um Teamarzt Ulrich Schleicher nach Wochen der Ratlosigkeit die Ursache für die schmerzhaften Beschwerden von Beinlich erkannt und können die Krankheit beim Namen nennen. Es handelt sich um die so genannte "Morton sche Anomalie". Herthas Physiotherapeut Thomas Sennewald, der sich neben Teamarzt Schleicher intensiv um Beinlich kümmert, sagt: "Diese Krankheit gibt es schon lange, aber ihr genaues Bild wird jetzt erst richtig erkundet. In der Form wie sie bei Beinlich auftritt, habe ich das noch nie gehabt." Sennewald, der sich als Mann mit den heilenden Händen einen Namen gemacht hat und als Experte für Osteopathie - einer speziellen Form der Krankengymnastik - gilt, sagt: "Jetzt wissen wir endlich den Namen der Krankheit, die wirkungsvollsten Behandlungsmethoden sind aber offen."Beinlich selbst zeigte sich erst mal erleichtert. "Ich denke, die Debatten, ob ich sogar meine Laufbahn beenden muss, sind jetzt vom Tisch. Mir geht es auch bereits ein bisschen besser."Seit dem Sommer vorigen Jahres plagen Beinlich Schmerzen, mal mehr und mal weniger intensiv. Er leidet an einer Kapselentzündung am zweiten Zeh des linken Fußes, zwei Zehen drohen, sich zu überlagern. Lange zeigten sich die Ärzte, auch Nationalelf-Mediziner Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, ratlos. Spritzen brachten nur vorübergehend Linderung. Beinlich: "Da gingen einem schon unangenehme Gedanken durch den Kopf, ob so etwas chronisch ist und ob man denn je wieder spielen kann." Als erste Maßnahme bekam Beinlich neue Einlagen, es sind bereits die vierten oder fünften in den letzten Monaten. Jeden Tag plagt er sich fünf Stunden bei der Rehabilitation.Trainer Jürgen Röber sagt: "Zuerst muss die Entzündung im Fuß weg, dann muss Beinlich seinen Körper völlig neu aufbauen. Wenn nicht endlich ein Wunder geschieht, wird es mit einem Einsatz in den nächsten Wochen und Monaten sehr schwer."Manager Dieter Hoeneß gibt sich nach Wochen der Ratlosigkeit optimistischer als der Trainer: "Jetzt wissen wir die Krankheit. Ich sehe Licht am Horizont und hoffe, dass Stefan in absehbarer Zeit mit dem Training beginnen kann."