Kreative Spots zur Wahl: Wahllose Sauerei

Ist Dir wirklich egal, woraus Deutschland gemacht wird? Sollen wirklich Idioten über Dich entscheiden? Am Ende stellen die Macher der Anti-Nichtwählerspots des Musikkanals MTV die wichtigste Frage. Vorher geht es sehr lustig und ein wenig eklig zu, wenn die Köche beim Würfelkochen einen furchtbaren Mischmasch anrichten. Oder der Wahlignorant sich mit Spaghetti, Pudding und Rotwein sozusagen wahllos bekleckert.

Es gibt zur Zeit Dutzende glänzend gemachter Videos im Netz, mit denen vor allem junge Wähler dazu gebracht werden sollen, am 22. September ihre Stimme abzugeben. Mit einer ganzen Serie solcher Produktionen tut sich ausgerechnet der Fernsehsender ProSieben hervor, dem man ähnlich wie MTV nicht unbedingt besonderes politisches Engagement zugetraut hätte.

Eindeutiger Star bei ProSieben ist Edmund Stoiber, der als grantelnder Zauselbayer mit seinem Dackel Maxi im Biergarten Zwiesprache hält: „San doch alle gleich - oiner wie da andere! Und dafür soll i mei Kreiz macha? I mach drei Kreiz, wenn der ganze Schmarrn vorbei is". Die Stimme kommt einem schon bekannt vor, aber erst als Stoiber am Ende Hut und Bart abnimmt ist klar, wer hinter der Maskerade steckt. „Meckern reicht nicht. Gehen Sie wählen!“ lautet seine wahre Botschaft. „Geh wählen“, so heißt die Kampagne von ProSieben, das die Filme auch in sein Programm einstreut.

Und auch die IG Metall bemüht sich einem aufwändigen und sehr witzigen Video, mehr Menschen in die Wahllokale zu bringen.

Das ist auch das Ziel des Euro-Rebellen Frank Schäffler von der FDP, der mit einem befremdlichen Video für sich, nicht für seine Partei wirbt. Zu den Bildern von EZB-Chef Mario Draghi, EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso und Kanzlerin Angela Merkel erscheint die Schrift: „…wollen Europa beherrschen“. Der Algorithmus von youtube erkennt, in wessen geistiger Nähe hier agiert wird: Da Schäffler die Oberfläche des Filmdienstes in seine Webseite eingebettet hat, erscheinen dort seit Tagen auch zwei NPD-Werbespots. Das scheint den FDP-Mann nicht zu stören.