Zuerst rückt Zahnseide ins Bild, dann Zahnpasta, die aus der Tube quillt - beides ganz nah. Nicholas Ozeransky (Matthew Perry), von seinen Freunden "Oz" genannt, ein moppeliger Zahnarzt und gestraft mit einem garstigen Gespann aus Ehefrau (Rosanna Arquette) und Schwiegermutter sowie den Spielschulden seines verstorbenen Partners (der rein zufällig auch sein Schwiegervater war), putzt sich die Zähne. Er prüft sein Lächeln, beißt probeweise zu - er rüstet sich für einen Arbeitstag in der Praxis. Als ihm seine Sprechstundenhilfe über einem rötlich triefenden Hamburger vorschlägt, die Gattin "zu beseitigen" und dem Elend ein Ende zu setzen, ahnt man, dass dies hier nicht das zauberhafte Oz bei Kansas ist. Doch der Spaß fängt erst richtig an, als ein berühmter Killer aus Chicago (Bruce Willis) zur Tür hereinkommt - Jimmy "Die Tulpe" Tudeski.Regisseur Jonathan Lynn und Drehbuchautor Mitchell Kapner wollten eine schwarze Komödie mit einem klassischen Gangsterfilm kreuzen. Was könnte auch schwärzer und witziger sein als ein Auftragskiller und ein Zahnarzt, zwei Berufe, in denen man eine gesunde, um nicht zu sagen vergnügte Respektlosigkeit gegenüber der Unverletzlichkeit des Lebens an den Tag legen muss, wenn man seinen Job ordentlich machen will. Aus einem nicht nachvollziehbaren Grund hat Jimmy Tulpe einen Narren an Oz gefressen, der verständlicherweise keine Lust hat, dem Mann die Laune zu verderben. Die kleine Sympathie, die der Killer für den unbeholfenen Zahnklempner verspürt, und dessen "Respekt" vor dem Auftragsmörder kommen beiden Männern gelegen. Der Titel des Films sagt es: Am Ende kriegt jeder, was er verdient. - Doch trotz seiner graziösen Verbeugung vor dem Humphrey-Bogart-Klassiker "Key Largo" (während einer Schießerei läuft "Key Largo" im Hintergrund im Fernseher) - hat "Keine halben Sachen" die Verbrecher-"Logik der Güte" nicht überzeugend erfasst. Der Tod ist ein so launisches Geschöpf und die Komödie mit Körpereinsatz eine so schwierige Sache, dass man, will man beides gleichzeitig hinkriegen, schon über besonderes Talent verfügen muss. Aus "Keine halben Sachen" hätte man jedenfalls besser zwei Filme machen sollen - einen über ein Blutbad unter Gangstern und einen über die Eskapaden eines Zahnarztes. Von der allegorischen Szene abgesehen, in der "Tulpe" einer Fliege Gerechtigkeit zuteil werden lässt, während er seine Version der goldenen Regel intoniert, ist der Film misslungen.- "Es ist nicht wichtig, was ich für die Leute empfinde, die ich töte", warnt Jimmy, "es kommt drauf an, wie ich mit denen klarkomme, die am Leben bleiben." Vielleicht liegt es ja am Himmel über Montreal, dass die Beleuchtung keinem der Hauptdarsteller schmeichelt. Perry wirkt aufgequollen und fleckig, eine unangenehme Überraschung im Vergleich zur guten Figur, die er in der Fernsehserie "Friends" macht. Auch Willis hat diesmal dem falschen Maskenbildner vertraut. Der gewaltige Michael Clarke Duncan ("The Green Mile") ist grotesk fehlbesetzt. Niemand reicht an Edward G. Robinson heran - Schande über Kevin Pollak dafür, dass er s versucht. Dieser Film hier ähnelt einem schmerzhaften Zahnarztbesuch.Übersetzung: Angela HeuserKeine halben Sachen (The Whole Nine Yards) USA 2000. Regie: Jonathan Lynn, Drehbuch: Mitchell Kapner, Produktion: Elie Samaha & Andrew Stevens, Darsteller: Bruce Willis, Mathhew Perry, Amanda Peet. 103 Minuten, Farbe.Der Killer Jimmy (Bruce Willis) überreicht dem gebeutelten Zahnarzt Oz (Matthew Perry) eine Blume des Bösen.