Krieg in Syrien: Rebellen melden Angriff auf Assad-Konvoi

Berlin/Damaskus - Syriens Präsident Baschar al-Assad soll nach Angaben von Rebellen nur knapp einem gezielten Angriff entkommen sein. Sein Fahrzeugkonvoi sei in Damaskus von Artillerie-Granaten getroffen worden, erklärte die Rebellen-Brigade Tahrir al-Scham am Donnerstag. Die Rebellengruppe Liwa al-Islam wiederum, die den Anschlag ebenfalls für sich in Anspruch nahm, erklärte, der Konvoi sei mit Raketen beschossen worden.

„Assad wurde nicht getroffen, aber nach Informationen, die wir von Quellen im Regime haben, gab es Tote unter Assads Begleitern“, sagte ihr Vertreter Islam Allusch. Sollte der Konvoi tatsächlich getroffen worden sein, wären die Rebellen so nah wie nie zuvor an den Präsidenten herangekommen.

Video zeigt Rauch über der Stadt

Die syrische Regierung dementierte jedoch umgehend die Angaben. „Die Nachricht ist komplett unwahr“, sagte Informationsminister Omran Soabi im Staatsfernsehen. Dort wurde auch ein Video ausgestrahlt, das Assad unversehrt beim Gebet am Donnerstag in einer Moschee in Damaskus zeigt. Der Präsident habe gemeinsam mit anderen hochrangigen Regierungsmitarbeitern an den Feierlichkeiten zum Beginn des Zuckerfestes teilgenommen, das den Abschluss des Fastenmonats Ramadan bildet, erklärte der Sender. Assad zeigt sich seit Beginn der Rebellion gegen ihn nur selten in der Öffentlichkeit.

Der Chef der Tahrir-Brigade, Firas al-Bitar, erklärte, seine Kämpfer hätten die Route des Konvois ausgekundschaftet und in den frühen Morgenstunden 120-Millimeter-Granaten auf die Fahrzeuge abgefeuert. „Es gab zwei Konvois, einen mit Assad und einen zur Tarnung. Wir haben den richtigen beschossen.“ Die Brigade, die Teil der Freien Syrischen Armee ist, veröffentlichte ein Video, in dem Rauch über dem Stadtviertel Malki aufsteigt. Dort wohnen Assad und seine wichtigsten Getreuen.

Nach Rebellenangaben reagierte die syrische Armee mit Raketen- und Granatenbeschuss auf den Angriff auf den Präsidenten-Konvoi. Der Bezirk Malki sei von Sicherheitskräften abgeriegelt worden. Bislang haben Rebellen Unterkünfte von Assad beschossen, und bei einem Bombenanschlag wurden im vergangenen Jahr vier seiner Gefolgsleute getötet.

In Syrien toben seit zwei Jahren schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Mehr als 100.000 Menschen sind dabei bereits getötet worden. Derzeit kontrollieren Assads Truppen den Süden und die Mitte des Landes. Die Rebellen haben die Oberhand an der türkischen Grenze im Norden. Nach Monaten der Rückschläge hatten die Aufständischen zuletzt wieder Erfolge vermeldet. Der Chef des Oppositionsblocks Syrische Nationale Koalition, Ahmad Dscharba, zeigte sich am Donnerstag in der Stadt Daraa, um zu demonstrieren, dass die Rebellen auch an der jordanischen Grenze Gebiete unter ihrer Kontrolle haben.

Die Rebellen werden von den Golfmonarchien und dem Westen unterstützt, die Regierung kann sich auf Hilfe aus Russland und dem Iran stützen. Russland will sich offenbar auch durch ein Milliardenangebot Saudi-Arabiens nicht von seiner Unterstützung für Assad abbringen lassen.

Der saudische Geheimdienstchef, Prinz Bandar bin Sultan, habe am 31. Juli dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen größeren Einfluss in der Region sowie den Kauf von russischen Waffen im Wert von elf Milliarden Euro in Aussicht gestellt, sollte Russland Assad fallen lassen, verlautete aus Diplomatenkreisen. Ein arabischer Diplomat mit Kontakten nach Moskau sagte: „Präsident Putin hörte seinem Gesprächspartner freundlich zu und ließ ihn dann wissen, dass sein Land seine Strategie nicht ändern werde.“

UN suchen nach C-Waffen-Spuren

Die UN-Überprüfung mutmaßlicher Chemiewaffeneinsätze in Syrien soll kommende Woche beginnen und bis Monatsende abgeschlossen werden. Das verlautete aus Diplomatenkreisen in New York. Im Juli hatte Staatschef Assad der Mission zugestimmt. Die Experten sollen an drei Orten tätig werden – in einer Region, in der die Rebellen Giftgas eingesetzt haben sollen, und zwei weiteren, in denen sich der Verdacht gegen die Regierungsarmee richtet. Das Team soll indes nur prüfen, ob tatsächlich Nervengas oder andere chemische Kampfstoffe eingesetzt wurden, und nicht, durch wen. (Reuters, AFP/BLZ)