Arno Funke hatte nach seiner Festnahme "ein Bedürfnis zu reden". Dies sagte am Freitag der stellvertretende Leiter der "Sonderkommisson Dagobert" im Prozeß gegen den mutmaßlichen Kaufhauserpresser vor dem Landgericht.Mit einem Handschlag begrüßt der Hamburger Kriminalbeamte Arthur Hains den Angeklagten. Freundlich schauen sich Verfolger und Verfolgter an. Es ist der sechste Verhandlungstag im Verfahren gegen den 44jährigen Funke, der die Kaufhäuser KaDeWe und Karstadt erpreßt sowie Sprengstoffanschläge verübt haben soll."Er war glaubwürdig und versuchte nicht, die Dinge zu beschönigen." So beschreibt Hains den Angeklagten, den er im April vergangenen Jahres gleich nach dessen Festnahme vernahm.Spontan habe Funke damals geredet. Neun Stunden lang, bis die Polizei die Vernehmung abbrach. "Wenn ein Mensch als Alleintäter sich jahrelang in einer so prekären Situation befand, steht er unter seelischem Druck", erklärt der Beamte das umfassende Geständnis. Sogar auf einen Anwalt verzichtete Funke.Eine "entspannte Atmosphäre" habe geherrscht, erinnert sich der Ermittler, der den Erpresser zwei Jahre lang jagte. "Wir haben teilweise auch über Dinge gelacht." Funke habe von Anfang an auch über seine Depressionen gesprochen, die er als Autolackierer auf seinen Umgang mit Lösungsmitteln zurückführte. "Das war wahrscheinlich ein Erlebnis für ihn, das ihn beschäftigte", so der Zeuge.Er bestätigt zwar, daß bei den Sprengstoffanschlägen von "Dagobert" ein "Restrisiko" bestanden habe. Aber er stimmt dem Eindruck des Vorsitzenden Richters Nils Neelsons zu, daß "Dagobert" die Gefährdung von Menschenleben so weit es ging "runterschaltete". +++