gen, bei mir Examen zu machen."Erst durch eine Frage von Karl Schlögel mußte sich Wehler an seine Mitarbeit an der von Schieder geleiteten Dokumentation der Deutschenvertreibung aus Osteuropa erinnern lassen; zwar beschreibt sie die Vertreibung als unmittelbare Reaktion auf die Volkstumspolitik der Nationalsozialisten, aber sie bleibt eine Fortsetzung von Schieders bevölkerungshistorischem Engagement, wenn auch unter umgedrehtem Vorzeichen. Diesen Abgrund überbrückte Wehler immer wieder mit dem Begriff "Lernprozeß". Nur, was ist ein Lernprozeß wert, der im geheimen stattfindet, bei dem nicht deutlich wird, welche Position verabschiedet und welche neugewonnen wird? Was ist Scham wert, die im Innern versteckt bleibt? Wehler gab sich in seinem Vortrag viele Blößen, aber anders als sein verstorbener Lehrer stellte er sich der Diskussion. Er versuchte, einen Weg aus der Nacht zum Licht zu zeigen. Das Amt solcher Aufklärung müßte, glaubt man ihm, bei der Geschichtswissenschaft liegen. Diese bildete am Donnerstag abend aber wieder eine ganz eigene Welt, in der mit Wehlers Vortrag der Geist des unvergessenen Bundestagspräsidenten Jenninger zu triumphieren schien. In diesen abgedichteten Raum drang die einstige Wirklichkeit nur momentweise ein; es geschah durch die Zeitzeugin, die sich an blutrünstige Lieder erinnerte.