Noch 24 Stunden nach Ausbruch des Feuers in einem alten Kühlhaus an der Köpenicker Straße in Mitte mühte sich die Feuerwehr gestern, die verstreuten Brandnester zu löschen. Für die vier Mietsparteien des benachbarten Hauses gab es eine böse Überraschung: Löschwasser machte ihr Heim unbewohnbar.Georg Klingner hat die Nacht zum Dienstag in seinem Volkswagen auf dem Hof verbracht. Es war alles andere als bequem. Doch der 66jährige trägt's mit Fassung: "Wir wurden im Krieg ausgebombt. Meine Frau war mit Sack und Pack auf der Flucht aus Ostpreußen. Da werd' ich das hier auch überleben." Klingner hat sich schnell noch ein Paar Schuhe aus seiner Wohnung geholt, in die er wohl nie wieder wird einziehen können. "Eine Tropfsteinhöhle ist gar nichts dagegen", kommentiert der 66jährige lakonisch den Zustand seiner vier Wände. Auch Anja Heller, die bei einer Freundin untergekommen ist, versucht am Tag danach, zu retten, was zu retten ist. Ihre fast nagelneue Couchgarnitur steht noch im Treppenhaus. Sie stinkt erbärmlich nach Qualm. "Die kannste vergessen", meint die 31jährige resigniert. Sie hat gern hier gewohnt, hatte sich die 80-Quadratmeter-Wohnung mit ihrem Mann ausgebaut. "Nun ist man über Nacht obdachlos", sagt sie. Das Bezirksamt hat Hilfe zugesagt. Doch Anja Heller ist eher skeptisch. "Bei der Wohnungsnot können die sich auch keine Wohnungen aus den Rippen schneiden."Währenddessen versucht die Feuerwehr nun schon den zweiten Tag, den Brand in dem alten Kühlhaus an der Köpenicker Straße in Mitte zu löschen. Im Einsatz: zwei komplette Löschzüge, diverse Sonderfahrzeuge, dazu 80 Leute. Alle fünf Stunden wird gewechselt. Besondere Schwierigkeit der Löscharbeiten: Die aus Korkbitumen bestehende Isolierung hatte sich gelöst und in dem rund 1 000 Quadratmeter großen Raum verteilt. Überall sind die Brandnester verstreut. "Da der Kühlraum keine Fenster hat, war auch keine Querbelüftung möglich", erklärt der Einsatzleiter. "Wir mußten erst Löcher in die Wand stemmen."Auslöser des Feuers, das am Montag mittag ausgebrochen war, ist eine Verpuffung. Das Kühlhaus wird zum Abriß vorbereitet. Umweltschädliche Stoffe mußten zunächst entsorgt werden. Fachleute nennen das "technologischen Rückbau". Auch gestern abend noch waren die Einsatzkräfte am Brandort. Denn die moderne Infrarot-Wärmebildkamera zeigte den Feuerwehrleuten immer wieder aufflackernde Glutnester an.Eine zweite Nacht braucht allerdings Georg Klingner nicht im Auto zu schlafen. "Ich werde wohl erst mal zu meiner Tochter ziehen." +++