Schwefel in die Atmosphäre zu pumpen, ist als Mittel zur Bekämpfung des Treibhauseffekts offenbar ungeeignet. Wie Forscher um Simone Tilme vom National Center for Atmospheric Research in Boulder im US-Bundesstaat Colorado berichten, würde der Schwefel große Teile der Ozonschicht zerstören. Es würde Jahrzehnte dauern, bis sich die Atmosphäre von den Folgen der Schwefelkühlung komplett erhole, schreiben die Forscher in der Online-Ausgabe des Fachjournals Science.Die Idee, die Atmosphäre mit Schwefel zu kühlen und auf diese Weise den Treibhauseffekt aufzuhalten, hatte der niederländische Chemiker und Nobelpreisträger Paul Crutzen vor zwei Jahren in Umlauf gebracht. Vulkanausbrüche weisen darauf hin, dass diese Kühltechnik funktioniert. Stößt nämlich ein Vulkan große Mengen an Schwefeldioxid aus, verteilt sich das Gas in der oberen Atmosphäre. Dort bildet sich anschließend eine dünne Schicht aus Schwefelsäuretröpfchen, die das Sonnenlicht abschirmen und die Atmosphäre so um einige Zehntelgrad kühlen. Crutzen schlug daher vor, mit Ballons oder Artilleriegeschossen pro Jahr zwei Millionen Tonnen Schwefel in zehn bis 25 Kilometer Höhe zu bringen und dort zu Schwefeldioxid zu verbrennen.Den Modellrechnungen zufolge , die Tilmes und ihre Kollegen jetzt veröffentlichen, hätte ein solches Vorgehen allerdings gravierende Auswirkungen auf die Ozonschicht über den Polarregionen. In kalten Wintern könnte der Schwefel die Hälfte der arktischen Ozonschicht vernichten, schreiben die Forscher. Über der Antarktis gibt es bereits ein großes Ozonloch. Tilmes und ihren Kollegen zufolge würde es sich durch den Einsatz von Schwefel 30 bis 70 Jahre später schließen als derzeit angenommen wird. (st.)Science, doi:10.1126/science.1153966