Auf der Mauer an der Schönhauser Allee liegt ein Teddy. Daneben ein Brummkreisel, eine Mundharmonika, ein Ball. Spielsachen, mit denen niemand spielt. Mit denen niemand mehr spielen konnte, damals. Das ist die Botschaft, die Karla Sachse und die Schüler der Kurt-Schwitters-Oberschule mit ihrem "Denkzeichen" aus Keramik transportieren wollen: Die Kinder, die vor 58 Jahren dort wohnten, hatten keine Zeit zum Spielen, keine Zeit für ihre Spielsachen. Sie mussten sie zurücklassen, als sie im Oktober 1942 nach Riga deportiert wurden. Damals war in der Schönhauser Allee 162 ein jüdisches Waisenhaus untergebracht, die Baruch-Auerbachschen Waisen-Erziehungsanstalt und das Sophie-Goldschmidt-Mädchenheim. Fast alle der deportierten Kinder wurden ermordet. Jahrzehntelang erinnerte nichts an das Waisenhaus, bis die Kurt-Schwitters-Gesamtschule vor fünf Jahren eine Projektwoche zu diesem Thema durchführte. Als Folge dieser Beschäftigung wurde gestern das "Denkzeichen" aus Keramik eingeweiht, samt erläuternder Tafel an der Schönhauser Allee, wo heute längst ein Neubau steht.