Filmszenen "Der Kurier - Sein Leben für die Freiheit".
Foto: Capelight

BerlinNoch ist Polen nicht verloren, sagt sich der junge Oberleutnant Jan Nowak-Jeziorański und macht sich auf den Weg von London nach Warschau. Es ist Sommer 1944, die Deutschen wüten bestialisch in der besetzten Heimat, und die Russen stehen schon vor der Tür. In London, wo die polnische Exilregierung residiert, weiß man vom Plan, in Warschau einen Aufstand gegen die Nazis zu wagen. Leider lehnt Winston Churchill, der britische Premier, dafür jede Hilfe ab. Schließlich ist auf den Konferenzen der Alliierten beschlossen worden, dass Polen nach dem Krieg zum Einflussbereich Stalins gehören soll, da will sich Churchill nicht einmischen. So wird Jan auf die Reise geschickt, um die Warschauer Patrioten zu bremsen.

Mit seinem „Kurier“ (2019) erinnert Władysław Pasikowski an den authentischen Helden, der später Jahrzehnte lang die polnische Abteilung von Radio Free Europe leitete. Der Regisseur, der mit dem Mafia-Thriller „Psy“ (1992) einen der publikumsstärksten polnischen Filme der postsozialistischen Ära inszeniert hatte, setzt auch diesmal auf Aktion und Emotion. Alle paar Minuten gerät Jan in eine neue, schier unüberwindliche Gefahr, die er mit Mut und Glück überlebt. Ob ihm SS-Schurken oder eine als Femme Fatale getarnte blonde Gestapo-Agentin begegnen: Jan findet Wege aus allen Fallen. Seine Odyssee wird mit Hilfe von Computeranimationen kräftig aufgemöbelt.

Dass historische Filme oft weniger über die Zeit aussagen, in der sie spielen, und mehr über die Zeit, in der sie gedreht werden, ist eine Binsenweisheit. Sie gilt auch hier. Denn „Der Kurier“ versteht sich, neben seinen Spektakelelementen, vor allem als nationales Epos, das der von bösen Nachbarn heimgesuchten Heimat den nötigen ideologischen Widerstandsschliff beibringen will. In Bezug auf die deutschen Besatzer macht das historisch durchaus Sinn. Aber auch der vor den Türen stehende Russe, von dem im Film nur verbal die Rede ist, bekommt als künftiger Unterdrücker schon deutlich Kontur.

So ist es kein Wunder, dass Jan die Warschauer am Ende nicht vom Aufstand abhält, sondern sie voller Pathos dazu ermutigt loszuschlagen: „Wenn wir das erste Mal in unserer Geschichte kampflos aufgeben, dann brechen wir den Geist unserer Nation. Dann werden wir das tun, was die Deutschen nicht geschafft haben. Und was auch die Sowjets wahrscheinlich nicht schaffen. Wir werden nicht nur verlieren, sondern aufgeben. Und das geht weiter, bis hin zur totalen Sowjetisierung. Und das werden wir teuer bezahlen. Zu Lasten der Generationen, die nach uns folgen.“

So beschwört der Filmheld schon 1944 die Vision einer dystopischen Zukunft unter russischer Knute. „Der Kurier“ wurde mithilfe des regierungsnahen Museums des Warschauer Aufstandes produziert.

Der Kurier – Sein Leben für die Freiheit Polen 2019, Regie: Władysław Pasikowski, Anbieter: Capelight Pictures, Länge: 113 Minuten, ab 11,99 Euro

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