Blick in den Hof der Torstraße 111, mit Arbeiten von Tammo Winkler und Holger Stark (r.) ganz hinten die Remise mit Ruinencharme.
Foto: Uwe Walter

Berlin - Schon beim Eintreten in dieses Künstler-Refugium mitten im Sanierungs- und längst auch Gentrifizierungs-Gebiet Torstraße beginnt eine Zeitreise. Zurück in die frühen Neunzigerjahre. Ich fühle mich inmitten dieser ruppigen Romantik des schmalen Hofs mit schadhaftem alten Buckelpflaster, hohen Essigbäumen und der malerisch von Efeu überwucherten Remisen-Ruine voller Kunst versetzt in Lutz Seilers kürzlich mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichneten Roman „Stern 111“. In der Torstraße 111 spüre ich sie wieder, die damalige Risikolust und lustvolle Anarchie. Wie in der Zeit nach dem Mauerfall und ehe die Investoren kamen, als in Berlin-Mitte und Prenzlauer Berg die Claims noch nicht abgesteckt waren, das Chaos als die schönste Zeit erschien, als Füllhorn aller Möglichkeiten und alternativen Lebensformen. Damals passierten persönliche Verwandlungen, möglich schien das Errichten herrschaftsfreier und unkommerzieller Räume im Alltag einer Stadt, in der auch die Künstler wirksam mitbestimmen würden.

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