Raus aus der Schmuddelecke und rein in den Kinosaal: Das dachten sich vor elf Jahren die Initiatoren des Pornfilmfestivals (PFF) Berlin und riefen eine fünftägige Veranstaltungsreihe ins Leben, die viel mehr umfasst, als Pornografie auf der großen Leinwand. Workshops, Diskussionen und Performance-Partys gehören ebenso zum PFF-Programm wie spannende Dokus über Sexarbeit, HIV oder die so genannte Rape Culture in den USA.

Jedes Jahr Ende Oktober kommen Besucher aus aller Welt ins Kreuzberger Moviemento, um Filme zu sehen, die so divers und vielfältig sind, wie das Publikum - mal humorvoll, mal historisch interessiert mit der Festivalsektion Retrospektive, mal sozialkritisch und feministisch. Wir haben uns durch das diesjährige Programm gewühlt und die Perlen herausgesucht. Hier sind neun Empfehlungen:

Für Vampir-Fans: "Enactone"

Lesbisch-queeren Vampirsex aus Berlin inklusive Rassismus-Thematik bietet "Enactone": Hauptfigur Marie Scott wandelt als Untote seit Jahrhunderten auf der Welt und stillt ihre Lust nach Blut und Frauen. Ihr Rachefeldzug basiert auf dem Mord an ihr während des US-Bürgerkriegs. Düsterer und politischer Hardcore-Film für Superheldinnen-Fans.

Merkmale: Lesbisch / Transgender / Fetisch /  Explizite Sexszenen
Termine: 26.10. um 17.30 Uhr, 28.10. um 23.45 Uhr

Für Hartgesottene: "Chemsex"

Wer diese erschütternde Doku kürzlich im Kino verpasst hat, bekommt sie nun noch einmal im Rahmen des PFF zu sehen:  Londoner Schwule konsumieren auf der Suche nach dem ultimativen Kick chemische Drogen wie GBH, Ketamin und Crystal Meth. Noch während ihrer Gruppensex-Exzesse werden über Dating-Apps bereits die nächsten Sexpartner gesucht - ohne dabei auf HIV-Prävention zu achten. "Chemsex" zeigt in schmerzhafter Offenheit, welche Rolle Drogenkonsum, Sucht, Krankheit und Zerstörung im Leben vieler Großstadtschwuler spielen. Ein Phänomen, das auch Berlin beschäftigt.

Merkmale: Schwul / Keine expliziten Sexszenen
Termine: 26.10. um 22 Uhr, 28.10. um 15.30 Uhr

Für Quicky-Fans: Der Kurzfilmwettbewerb

In seiner 11. Ausgabe zeigt das PFF so viele Kurzfilm-Programme wie nie: Unter anderem gibt es eigene Sammlungen zu Sexarbeit, SM, weiblichen Jägerinnen und Filmarbeiten von Berlinern zu sehen. Einen guten Mix aus allem bietet der Kurzfilmwettbewerb: U.a. eine zufällige Begegnung im Aufzug eines Luxus-Kaufhauses und ein humorvolles Musical laufen in dieser Auswahl.

Merkmale: Hetero / Schwul / Lesbisch / Transgender / Fetisch / Explizite Sexszenen
Termine: 28.10. um 17.30 Uhr, 30.10 um 11 Uhr

Für Doku-Fans:"The Amina Profile" & "Sexarbeiterin"

Doku-Fans haben diesmal die Qual der Wahl, so viele faszinierende Schicksale zeigt das PFF. Eine schier unfassbare Geschichte erzählt "The Amina Profile": Ausgerechnet im Kriegsgeplagten Syrien macht eine junge Lesbe mit ihrem Blog „A Girl from Damascus“ weltweit Furore. Auch die Kanadierin Sandra ist berührt von den authentisch klingenden Schilderungen der jungen Amina und macht sich auf die Suche nach ihr.

"Sexarbeiterin" begleitet die Berlinerin Lena Morgenroth durch ihr Leben und zeigt sie sowohl bei ihrer Arbeit als auch ganz unspektakulär im Alltag mit Familie und Freunden: Dem Stereotyp der wehrlosen Prostituierten setzt der Film das authentische Porträt einer selbstbestimmten Aktivistin entgegen.

Merkmale: Transgender / Keine expliziten Sexszenen
Termine: "The Amina Profile" am 28.10. um 19.30 Uhr; "Sexarbeiterin" am 28.10. um 17.15 Uhr

Für Pferde-Fans: "Être Cheval"

Filme über die Leidenschaft für „Pony Play“, das sexuelle Rollenspiel als Pferd, waren schon öfter beim PFF zu sehen. Doch selten wurde so ehrlich, direkt und poetisch die Auseinandersetzung eines „Pferdes“ mit seiner Rolle und seinen Wünschen in so wunderschöne Bilder umgesetzt. Karen ist ein 50-jähriger französischer Transvestit, der in die USA zu einem echten Cowboy mit Hang zum Fetisch reist, um sich dort als Pferd ausbilden zu lassen. Der Film begleitet Cowboy und Pferd bei ihren Trainingssessions. No animals were harmed for this movie!

Merkmale: Transgender / Fetisch / Keine expliziten Sexszenen
Termine: 29.10. um 19 Uhr

Für Trash-Fans: Die Retrospektive

Die Retrospektive ist diesmal alten deutschen Softsex-Komödien wie „Die Liebesvögel – Küss mich da, wo ich es mag" gewidmet. Das ist zum einen ein großer Spaß für Freunde des schlechten Geschmacks und des miefigen Humors der Siebziger - zum anderen bietet es mit Filmen wie "Schulmädchen-Report" ein Zeitdokument tolerierter sexueller Gewalt, das die abgründigen Seiten vermeintlicher Aufklärungsfilme zeigt.

Alle Termine:http://pornfilmfestivalberlin.de/programm/?c=Retro

Für 3-D-Fans: "Love"

Wer Sex-Filme mit einer Handlung und ästhetische Kamerafahrten mag, ist bei Gaspar Noés bildgewaltigem Drama genau richtig. Ein Paar will sich seinen intimen Fantasien hingeben und lässt sich auf einen Dreier ein - mit schwerwiegenden Folgen. "Ich dachte, es sei lustig, den Cumshot tatsächlich als 3D-Shot zu inszenieren", erklärt der Skandalregisseur die Wahl seiner Drehtechnik. Einziger Wermutstropfen: Die Hauptfigur ist ein wehleidiger Mann, den die Suche nach seiner Ex an den Rand des Erträglichen führt.

Merkmale: Hetero / explizite Sexszenen
Termine: 26.10. um 16.15 Uhr

Für Technik-Fans: Porno & Virtual Reality

Virtual Reality (VR) scheint das nächste große Ding in der Unterhaltung zu sein - auch für die Pornoindustrie stecken darin neue Möglichkeiten, Kunden zu gewinnen. Das PFF hat drei VR-Filmemacher eingeladen, um einen Blick auf den aktuellen Stand der Technik von heute zu werfen. Nach der Diskussion hat das Publikum die Möglichkeit, Fragen an die Podiumsteilnehmer zu stellen und die Porno-Clips am VR-Stand auszuprobieren.

Termine: 30.10. um 15 Uhr im Spektrum, Bürknerstr. 12

Für Flirtfreudige: Party und Lounge

Wer nach dem Filmeschauen noch mit anderen Festivalbesuchern in Kontakt kommen will, kann das Mittwoch, Donnerstag und Freitag ab 22 Uhr bei der PFF-Lounge in der nur wenige Gehminuten vom Kino liegenden Bar Ficken 3000 (Urbanstraße 70, Eintritt frei).

Die große Festival-Party mit Post Punk, New Wave und Pop vom Partykollektiv „Tunten aus der Gruft“ findet Samstag ab 23 Uhr im Prince Charles (Prinzenstr. 85 F, Eintritt 6 Euro) statt. Der Abschlussabend mit Preisverleihung – für den besten Kurzfilm, den besten Spielfilm und den besten Dokumentarfilm, jeweils dotiert mit 500 Euro – steigt am Sonntag um 23 Uhr im Südblock (Admiralstr. 1).

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Das Pornfilmfestival findet vom 26. bis 30. Oktober im Moviemento und im Spektrum statt. Das komplette Programm gibt es hier: http://pornfilmfestivalberlin.de/programm

Tickets (8 Euro pro Vorstellung) gibt es bereits im Vorverkauf unter: http://www.moviemento.de