Köln - Zum ersten Mal ist mit #aufschrei ein Twitter-Schlagwort mit dem Grimme Online Award prämiert worden. Damit würdigte die Jury „eine gesamtgesellschaftlich in aller Breite geführte Diskussion, die im Web mitgezündet wurde, bei Twitter unter dem Hashtag #aufschrei an Dynamik gewann, sämtliche Mediengrenzen übersprang“, hieß es bei der Preisvergabe am Freitagabend in Köln. Unter dem sogenannten Hashtag #aufschrei hatten Internetnutzer einen Protest gegen Sexismus in der Gesellschaft angestoßen. Für ihre „herausragende publizistische Qualität im Netz“ wurden auch sieben weitere Websites ausgezeichnet.

Die prämierten Angebote des 13. Online Award belegten eindrücklich die vielfältigen Möglichkeiten des Netzes, erklärte Grimme-Direktor Uwe Kammann. Die undotierte Auszeichnung wurde in den Kategorien Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung sowie Spezial vergeben. Der Publikumspreis ging an die Politsatire-Website „Der Postillon“, die auch den Jurypreis in der Kategorie Information erhielt.

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung prämierte die Jury den Liveticker der Fußball-Internetseite „11Freunde“. Die Seite biete neben Fußballnews für Kenner in erster Linie klug gemachte Unterhaltung auf höchstem Niveau, sogar für Menschen, die sich nicht für Fußball interessierten. Der zweite Gewinner in dieser Kategorie, „museumsplattform nrw“, hat nach Auffassung der Jury über die Grenzen der einzelnen Museen hinweg neue Ausstellungsräume geschaffen. Dort würden Exponate aus 20 nordrhein-westfälischen Museen erstmals an einem zentralen digitalen Ort gesammelt.

"Rettungsboot der Satire"

Die Satireseite „Der Postillon“, auf der Stefan Sichermann täglich aktuelle Nachrichten parodiert, sei ein prominentes Beispiel für den virtuosen Umgang mit Worten, erklärten die Veranstalter. „Die Ironie ist in Gefahr, in der Informationsflut zu ertrinken. Aber 'Der Postillon' hat ihr ein Rettungsboot geschickt“, so die Jury. Bei der ebenfalls in der Kategorie „Information“ prämierten Internetseite „Politnetz“ würdigte die Jury die politische Partizipation im Web. Auf der Seite werden Themen und Entscheidungen des Schweizer Parlaments zur Diskussion gestellt.

ARTE-Web-Dokumentation prämiert

In der Kategorie Wissen und Bildung wurden drei Online-Angebote prämiert. Das Multimedia-Special „Plan B“ der Deutschen Welle porträtiere in fünf europäischen Krisen-Ländern „selbstbewusste junge Menschen, die sich nicht aufgeben, konstruktiv mit Arbeitslosigkeit und Geldmangel umgehen und dabei erfolgreich ihren 'Plan B' in die Tat umsetzen“, hieß es in der Begründung. Ausgezeichnet wurde auch die vierzigminütigen ARTE-Web-Dokumentation „Alma“, in der eine 26-jährige Gang-Aussteigerin den brutalen Alltag in ihrer Heimat Guatemala schildert.

In dem dritten prämierten Beitrag „Soziopod“ böten die Autoren eine breite Themenauswahl und Zwiegespräche über soziologische und philosophische Fragen. Neben dem Grimme Online Award wurde auch der „klicksafe Preis für Sicherheit im Internet“ vergeben. In der Kategorie Webangebote erhielten „Netz-gegen-Nazis.de“ und „no-nazi.net“ der Amadeu Antonio Stiftung einen Preis. Ausgewählt wurden die Gewinner von einer Fachjury der Initiative „klicksafe“, einem gemeinsamen Projekt der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM). (epd)