Fünf Jahre ist es her, dass Julie Delpy als Marion mit ihrem amerikanischen Freund „2 Tage Paris“ erlebte. Der Film, von Julie Delpy auch geschrieben, inszeniert und komponiert, war eine Beziehungskomödie im kontrastreichen Licht eines Kulturkonflikts: Hier der Hygiene-versessene, puritanische Amerikaner, dort die alle Körpersäfte mixenden Franzosen. Das war nett im besten Sinn, angenehm chaotisch anzusehen und intelligent witzig – das Gegenteil der üblichen Hochglanz-Hollywood-Klamotten mit ihren artig eingezäunten Orgasmus-Zoten.

Fünf Jahre ist das her – höchste Zeit für einen zweitägigen Gegenbesuch der Familie in New York, wo Marion nun als Künstlerin lebt und bald eine Ausstellung mit eigenen Werken eröffnet. Marions Freund Mingus ist farbig, damit man die Sache mit den Vorurteilen noch ein bisschen weiter ausreizen kann. Das Paar lebt mit Marions Tochter aus der vorigen Beziehung in einer Wohnung; manchmal ist auch Mingus’ Tochter dabei, damit noch die Probleme von Patchwork-Familien für Heiterkeit sorgen können.

Eine Ehe in Nöten

„2 Tage New York“ – so ähnlich die Titel, so ähnlich die Filme. Marions Familie ist immer noch ein Albtraum aus Verfressenheit (Marions Vater, gespielt von Delpys Vater Albert), Geilheit (Marions Schwester, Co-Autorin Alexia Landeau) und leichtherzigem Drogenkonsum (Marions Exfreund, Alex Nahon). In kürzester Zeit verwandeln sie das New Yorker Apartment in einen Saustall. Der rechtschaffene Mingus (Chris Rock) sieht fassungslos zu, wie sich Marions Schwester an ihn heranmacht und ihr Exfreund einen Dealer bestellt. Solche Unruhen schwappen bis ins Treppenhaus: Marions Nachbarin droht mit der Kündigung, und Marion weiß keinen anderen Ausweg als die Behauptung, sie habe einen Hirntumor und nicht mehr lange zu leben.

So geschmacklich heikel diese Lüge auch ist, sie ruft einige der besten Szenen auf den Plan. Etwa das zutiefst amerikanische Kalkül der Nachbarin, jetzt schnell noch Kunst von Marion zu kaufen, weil sie nach deren Tod im Wert steigen könnte. Wunderbar ist der kurze Auftritt von Dylan Baker als Marions Nachbar, der mit klebrigstem Mitleid die Wohnung betritt, um sich um Marion zu kümmern, und bald als handfesteren Grund für weitere Besuche den Hintern von Marions Schwester erblickt, den diese à la française unbekleidet durchs Zimmer trägt.

Es gibt auch amerikanische Geilheit

In solchen Momenten wird deutlich, dass es auch eine amerikanische Geilheit gibt. Wie sehr man sich auch über all das amüsieren mag: Die den Film dominierende Aufteilung der Welt in den sexbesessenen Franzosen hier und den prüden Ami dort ist ein grobes Modell – und wirkt als Grobheit in den Film zurück. Natürlich stellt Delpy die Klischees als solche dar, das Grobe und Alberne ist auch gewollt. Doch das ergibt eine besserwisserische Oberflächen-Intelligenz, unter der sich so sonderlich viel nicht tut. Die Unterschiede der Nationen sind nützlich, um sie mit durchaus metzgerhaftem Humor auszuschlachten, aber darauf festnageln lassen will man sich keineswegs – im Zweifelsfall kann man alles als bewusste Übertreibung abtun. Einen Film lang lässt man sich das gefallen, beim zweiten Mal nervt es.

Als wäre Julie Delpy das auch nicht entgangen, webt sie einen merkwürdigen esoterischen Faden ein, in dem Marion ihre Seele als Kunstwerk verkauft – und ausgerechnet der dämonische Vincent Gallo ihr Käufer wird, dem sie geschockt gegenübersitzt. Der Film selbst, ohnehin von loser Machart, franst damit allerdings noch weiter aus. Er wirkt neben „2 Tage Paris“, trotz weitgehend gleicher Stilmittel, ambitionierter – und leider auch angestrengter.

2 Tage New York USA 2012. Regie: Julie Delpy, Buch: Julie Delpy, Alexia Landeau & Alex Nahon, Kamera: Lubomir Bakchev; 96 Minuten, Farbe. FSK ab 12.