Wer sich länger als drei Tage in Vea Kaisers Wiener Wohnung einquartieren will, muss einen Putzdienst übernehmen, verrät die begabte und äußerst gebildete 24-Jährige. Bis März 2013 ist sie mit ihrem Debütroman „Blasmusikpop“, im Sommer erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, unterwegs, 70 Lesungen müssen bewältigt werden. Beim 20. Open Mike nahm Vea Kaiser an der Staffelübergabe am Vorabend dieser im deutschsprachigen Raum einzigartigen Literaturcastingshow teil. 2009 las sie selbst um einen der Preise, ging aber leer aus. Geschadet hat es offenbar nicht. Dabeisein reicht für viele der Autoren schon, um das Interesse der Verlage und Agenturen zu wecken.

Der von der Literaturwerkstatt Berlin erfundene und veranstaltete Wettbewerb ist aufgrund des großen Publikumsinteresses in diesem Jahr aus der Wabe im Prenzlauer Berg in den Neuköllner Heimathafen umgezogen, und auch dort wurde der Platz knapp. Dagegen gab es mit 634 Teilnehmerbewerbungen etwas weniger Einsendungen als in den Vorjahren. Die Auswahl von 14 Prosa- und sieben Lyriktexten fiel den meisten der sechs beauftragten Lektoren laut eigenem Bekunden nicht sonderlich schwer, sie sprachen von nur einer kleinen „Spitze von guten Texten“. Inhaltlich wurde „Utopielosigkeit“ (Christoph Buchwald) diagnostiziert, das seit einigen Jahren als Stoff beliebte Großelternsterben soll in den eingesandten Texten weitergegangen sein, wurde dem öffentlichen Publikum aber zugunsten von unerfülltem Beziehungsleben vorenthalten.

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