BerlinHeiner Müller bewegte sich immer auf gefährlichem Terrain. Er hielt sich nicht an Konventionen und misstraute dem Konsens. Er dachte konsequent auch da noch weiter, wo es wehtat. So war Hitler für ihn ein Mann, der alles „richtig“ (die Anführungszeichen stammen von Müller) gemacht hatte, bis auf ein geografisches Detail: Er hatte den Genozid, nicht wie im Westen üblich, in den Kolonien in Afrika, Asien oder Lateinamerika verübt, sondern mitten in Europa. 

Mit dem Freudentaumel der Wende, in der manche das „Ende der Geschichte“ oder sogar den Beginn des „ewigen Friedens“ sehen wollten, konnte er nichts anfangen. Das Ende des Ostblocks war für ihn ein Schock. Denn es war das Ende der sozialistischen Opposition. Und er wusste, dass ohne eine Opposition, der losgelassene Kapitalismus an sich selbst zugrunde gehen wird.

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