Die kalifornischen 30 Seconds to Mars waren schon immer zuerst und zuletzt die Band von Jared Leto, auch wenn der Schauspieler („Requiem for a Dream“) sich gegen diese Wahrnehmung oft wehrte, ja sogar Konzerte, die nur mit ihm beworben wurden, absagte. Mit ihrem zweiten Album „A Beautiful Lie“ (2005) stiegen 30 Seconds to Mars jedenfalls zu einer der führenden Gruppen des sogenanten Screamo-Rock auf. Ihre Konzerte, in Berlin damals noch in der Columbiahalle, waren intensiv, klanglich brachial und gleichzeitig wunderschön zerbrechlich. Das änderte sich mit den folgenden Platten „This Is War“ und „Love Lust Faith + Dreams“, darauf wandten sie sich immer mehr einem alternativen Synthie-Stadion-Gitarren-Klang zu: Unterhaltung für die ganze Familie.

So kann man auch das Konzert beschreiben, das 30 Seconds to Mars am Dienstagabend in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof gaben, mit allen Vor- und Nachteilen der Gattung. Manch älterer Fan ärgerte sich darüber, dass die Backing Vocals und viele Synth- und Gitarrenklänge vom Band abgespielt wurden; aber das gehört bei Konzerten dieser Größenordnung wohl inzwischen dazu. Jedenfalls dröhnten Songs wie „Night of the Hunter“, „Search and Destroy“, „Conquistador“ und „Closer to the Edge“ mit einer derartigen Wand quantisierten Digitalklangs über die Zuschauer hinweg, dass man der Band entweder extreme Authentizität oder eben totales Playback attestieren könnte. Aufgeblasene Riesenballons, Konfettikanonen und Stroboskopgewitter komplettierten das zirzensische Bild.

Viele Refrains sang Jared Leto nur noch zur Hälfte mit, lieber befasste er sich mit ekstatischen Tanzeinlagen – doch verfügt er über so viel Charisma, dass die Leute sich daran nicht störten. Wenn er dann doch einmal zur akustischen Gitarre griff und etwa „The Kill“ und „Hurricane“ zum Besten gab, bekam man wenigstens eine Ahnung von den stimmlichen Qualitäten des attraktiven Tenors. Auch „End of all Days“, „Kings and Queens“ und „City of Angels“ traten klanglich wie gesanglich hervor, gerade weil die Titel strukturell an einen reduzierten U2-Sound anknüpfen.

Apropos Zirkus: Die „Circus-Halli-Galli“-Moderatoren Joko und Klaas waren ebenfalls Gäste des Abends, rein zufällig natürlich. Auf das Angebot Letos hin durfte Klaas im vorletzten Song „Bright Lights“ das Schlagzeug bedienen. Dass er dabei dann völlig versagte, passt zwar zur Kultur deutscher TV-Schadenfreude, nervte aber trotzdem. Darauf folgte ein Disput zwischen der Band und dem Möchtegern-Schlagzeuger, den Joko schlichtete, um Leto und Co. wieder versöhnlich zur Zugabe „Up in the Air“ auf die Bühne zu bitten. Gefilmt von mehreren Kameraleuten, erweckte die Situation nicht gerade den Eindruck, vor Spontaneität zu strotzen.

Dem Publikum scheint das alles dennoch gefallen zu haben. Als Zirkus-Unterhalter und Fernsehshow-Pausenfüller liefern 30 Seconds to Mars auch tatsächlich ein buntes Komplettpaket ab. Für Menschen, die ein Konzert um des Konzert willen besuchen, dürften ihre Auftritte inzwischen jedoch an der Grenze des Zumutbaren liegen.