Der Teletext hat lange vor Twitter die Welt auf kleinstem Raum erklärt.
Foto: dpa/ARD Text/ RBB

BerlinEin technischer Anachronismus ist immer noch am effektivsten. Der ARD-Videotext verschafft auf den Tafeln 101 bis 103 einen Überblick über das Wichtigste aus der Politik, liefert auf Nummer 135 die Nachrichten aus aller Welt, auf der 155 die Wirtschaftsmeldungen und informiert ab 400 über die Kultur.

Am Wochenende werden besonders die Sporttafeln ab 200 frequentiert, am Sonnabendnachmittag die Bundesligaspiele auf der 251. Aktuell sind aber die Corona-Zahlen ab 810 wichtiger, die letzten 20 Meldungen zur Pandemie laufen ab 154. Die Wetteraussichten bringt der RBBtext ab 162, News aus Berlin und Brandenburg ab 101.

In wenigen Minuten kann sich jeder kompakt informieren – auf kurzen Texten mit 25 Zeilen à 40 Zeichen, ohne Spaßvideos, ohne Promi-Quatsch, ohne Werbung. Das Wort Tafel klingt so sympathisch altmodisch wie das Erscheinungsbild des Mediums tatsächlich ist, obwohl es die Idee kürzester Nachrichtenkommunikation für alle um Jahrzehnte vorweggenommen hat.

Vor 40 Jahren starteten ARD und ZDF in einem Feldversuch den Teletext, wie er anfangs auch genannt wurde. Bayern München wurde an jenem Wochenende Meister, Hertha stieg ab, weil sie zwei Tore zu wenig geschossen hatten, in der Hitparade lag Mike Krüger mit dem „Nippel“ vorn. Das alles ist nachzulesen in einem Videotext-Archiv, das die ARD zum Jubiläum eingerichtet hat (Tafeln ab 601 und 890) und das einen grafischen Überblick über die Entwicklung gibt.

Erfunden hatten den Videotext englische Tüftler, die die „Austastlücke“ beim Aufbau des Fernsehbildes nutzten. Das analoge Bild baute sich nacheinander in 625 Zeilen auf, von denen aber nur 576 genutzt wurden. Dazwischen musste sich die Bildröhre auf den Empfang des nächsten Bildes vorbereiten, um Störungen zu vermeiden. Diese Lücke wurde mit Infos „bespielt“ – 1980 hatten nur wenige Geräte der BRD die nötige Empfangstechnik, das DDR-Fernsehen hatte gar keinen Videotext.

Nach der weltweiten Umstellung auf digitale Übertragung gibt es zwar keine „Austastlücke“ mehr – in Deutschland aber hat der Videotext, anders als etwa im Ursprungsland Großbritannien, überlebt. Stolz vermeldet die ARD, dass etwa 16 Millionen TV-Gucker gelegentlich die Tafeln abrufen, über zehn Millionen regelmäßig. Der ARD-Videotext wird zentral von 17 RBB-Redakteuren in Potsdam bestückt.

Neben der enorm zeitsparenden Methode, sich einen kompakten Überblick zu verschaffen, gerade bei Tabellen und Listen, erfüllt der Videotext wichtige Funktionen, liefert die Untertitel für Gehörlose (Tafel 150). Auch wenn der Text inzwischen über digitale Standards wie HbbTV übertragen wird, so hat er sein minimalistisches Design und seinen erlernten Aufbau beibehalten, selbst beim Abruf über das Smartphone. Seit letztem Jahr kann man sich die Videotext-Infos sogar am Smartspeaker vorlesen lassen. Das überholte Medium ist erstaunlich lebendig.