Die Schriftstellerin Nina George trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Lesen macht schön“. 
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BerlinVier Stunden habe ich nicht durchgehalten, nach einer halben Stunde war ich wie betrunken von all den Namen und Orten, dann fing ich an, im Zeitstrahl vor- und zurückzuhüpfen. Und das war dann noch besser. Die Buchverlage des Holtzbrinck-Konzerns, also zum Beispiel Rowohlt und S. Fischer, haben 53 ihrer Autoren in einem Video vereint. Das ist gerichtet an all die Buchhändlerinnen und Buchhändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz, ohne die Verlage und Autoren ziemlich arm aussehen würden. Aber es ist auch für Leser toll anzusehen, wenigstens nebenbei beim Kochen.

Bei A wie Aachen beginnt Christine Westermann, die ja mindestens durch ihre Teilnahme am „Literarischen Quartett“ eine ausgewiesene Buchfrau ist, nach vier Stunden und vier Minuten endet das Video mit Andrea Petkovic in Zürich. Deren Name ist vor allem Tennisfreunden bekannt. Noch! Bei Kiepenheuer & Witsch (auch zu Holtzbrinck gehörend) erscheint im Oktober ihr literarisches Debüt, der Erzählungsband „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“. Aber dies nur nebenbei.

Es ist überwältigend, sich all die Räume mit Regalen und Büchertischen vorzustellen, es ist erhebend zu hören, an wie vielen Orten Menschen dafür arbeiten, dass Geschichten und Wissen an ein Publikum kommen. Viele von ihnen hatten während der vergangenen Wochen trickreich versucht, auch telefonisch oder durchs Fenster Rat zu erteilen, die Homeoffiziere mit Lektüre zu versorgen. A wie Amazon fehlt in der Aufzählung, denn der Video-Dank geht an die Geschäfte vor Ort, in denen noch gesprochen und nach Lust und Leidenschaft dekoriert wird und nicht nur nach Algorithmen verteilt und kassiert.

Den Autoren war offenbar freigestellt, ob sie nur Namen und Orte vorlesen oder noch etwas mehr sagen. Jakob Hein, der in Uttenreuth beginnt und bis Weilerswist gelangt, zeigt Gewürze als Symbol der Vielfalt der Bücher. Sebastian Fitzek entschuldigt sich, nicht alle Buchhandlungen auswendig gelernt zu haben. Anja Rützel hat ihren Hund dabei, Frank Schätzing steht vor einem kerzenartigen Licht. Nina George trägt ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift „Lesen macht schön“ und strahlt in die Kamera. Sie nennt die Danksagung ein „Gedicht aus 4000 Zeilen“.

Für Verlage und Autoren sind Buchhandlungen systemrelevant. Für die Menschen, die jetzt nicht ins Theater und ins Kino können, sind die Buchhändler leibhaftige Gleichgesinnte, lebende Kulturgüter-Vermittler. Applaus!