5000 neue Wörter: Shitstorm erreicht den Duden

Flashmob, Shitstorm, Spacko oder Vollpfosten – diese Wörter gehören jetzt offiziell zum großen, reichen Schatz der deutschen Sprache. Sie ziehen zusammen mit etwa 5000 weiteren Neuerungen in die 26. Auflage des Dudens ein, die am 4. Juli erscheint. Bereits am Mittwoch erhält der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit am Brandenburger Tor ein Exemplar überreicht, unter dem Motto: „Der Duden ist jetzt ein Berliner.“ Denn das neue Werk ist das erste, das nach dem Wegzug des Duden-Verlags aus Mannheim in der Hauptstadt herauskommt.

Leider hält sich das Feierliche des Vorgangs in Grenzen, unter anderem wegen der radikalen Umstrukturierungen, die mit dem Ortswechsel des Mannheimer Bibliographischen Instituts verbunden waren. Von einst 190 Mitarbeitern gehören nur neun zu der jetzt 40-köpfigen Duden-Gruppe in Berlin. Sprachforscher beklagen die räumliche Trennung vom Mannheimer Institut für deutsche Sprache.

Kritisiert wird zugleich die inhaltliche Entwicklung. So nominierte der Verein Deutsche Sprache den Duden gerade als Kandidaten für den „Sprachpanscher des Jahres“. Das einst so respektierte Nachschlagewerk nehme gedankenlos dumme Modewörter und Anglizismen auf, schimpfte Vereinschef Walter Krämer. Wenn heute in Texten von downloaden, Jobhopping oder Eyecatchern die Rede sei, könnten sich deren Verursacher auf die Absegnung durch den Duden berufen.

Nun kommen etwa neue Begriffe aus der digitalen Welt hinzu, neben Facebook, App und Shitstorm auch Social Media oder Compi („ugs. scherzh. für Computer“). Dafür wurden Wörter wie Buschklepper, Füsillade oder Stickhusten herausgenommen, weil sie keiner mehr nutzt.

Die Kritik, neuesten Moden hinterherzurennen, kontert der Duden-Verlag: „Bei uns wird nicht die Sprache gemacht. Bei uns wird objektiv der Sprachschatz der Gegenwart abgebildet.“ Dank ständiger Neuerungen ist er mittlerweile auf 140.000 Begriffe gewachsen. Konrad Duden hatte 1880 mit 27.000 begonnen, einem Fünftel.

Doch Nutzer, darunter Lehrer und Schüler, haben vor allem auch Probleme mit den Folgen der umstrittenen Rechtschreibreform. Der Duden lasse viele widersprüchliche Varianten zu, unter anderem bei der Getrennt- und Zusammenschreibung, so die Kritik. Wie eine Schweizer Zeitung berichtet, hat deshalb der deutsche Reclam Verlag dem Duden gerade eine Absage erteilt. Er wolle seine Bücher künftig nach Empfehlungen der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK) drucken. In der Schweiz wird also jetzt das richtige Deutsch gemacht.